Zeitung Heute : Von echten Stars und falschen Sternchen

ANDREAS CONRAD

Reingefallen.Der Mann sah ziemlich so aus, wie man sich einen Filmmenschen vorstellt: Dicke Limousine, er im Smoking mit Sonnenbrille, ihm zur Seite attraktive junge Damen.Und dann die Selbstverständlichkeit, mit der er durch die Absperrungen schritt, dem Eingang des Zoopalastes entgegen - selbst Moritz de Hadeln ließ sich angeblich täuschen.Der Radiosender 104,6 RTL hat sich zur Berlinale-Eröffnung einen Spaß erlaubt: Moderator Marc Döhring kostümierte sich, gab sich als "George Senders", Hauptdarsteller von "The Fan", aus - und kam rein, ganz ohne Karte, plauderte auch ganz entspannt mit Matthieu Carriere, Jasmin Tabatabai und Christiane Paul.

Wenn sich der Trick rumspricht, wird es eng im Zoopalast, wo am Mittwoch abend die 49.Internationalen Filmfestspiele mit viel Prominenz eröffnet wurden, wie in einem Teil der Auflage bereits berichtet.Die gewohnten und sehr unterhaltsamen Demonstranten, die früher regelmäßig gekommen waren, fehlten diesmal.Statt dessen unterhielt die Polizei.Die Beamten hatten gut zu tun, es waren auch "ein paar mehr als sonst", das wurde auf Nachfrage gerne eingeräumt.

Kurz nach sieben ging es Schlag auf Schlag.Peter Weck machte den Anfang der "Aimée & Jaguar"-Belegschaft, die an diesem Eröffnungsabend - Pardon, Herr Bundeskanzler, aber Sie müssen ja noch vor dem Film nach Washington - doch im Mittelpunkt stand.Wenig später kam Heike Makatsch, mit lustig wippendem Pferdeschwanz wollte sie vorbei, aber da spielten die Fotografen nicht mit.Also "Heike" hier und "Heike" da, fast wie in Cannes, besser noch, fast wie in amerikanischen Filmen, in denen die Angehörigen der Glitzerwelt sich ihre Statements ja auch gerne im Vorüberhuschen entlocken lassen."Christiane, Christiane", rief es nun, aber Christiane Paul eilte nur mit flüchtigem Seitenblick weiter, als sei das hier eine Baustelle und nicht der große Berliner Glamour.

Jurymitglied Hellmuth Karasek zog vorbei, Günter Lamprecht, Joachim Król im Schlepptau von "Comedian Harmonists"-Regisseur Joseph Vilsmaier, Katja Riemann an der Seite von Katja von Garnier und einer weiteren Schönen, ach, wer zählt all die Prominenten, wer kennt all die Namen, ganz schwindling konnte einem werden.Genschman mit gelbem Schal, Mompi mit rotem, und Angela Molina mit einer feuerroten Stola, die ihr im weiteren Verlauf des Abends noch viel Mühe bereiten sollte.Und dann endlich, Seite an Seite: Maria Schrader und Juliane Köhler, in ihrer Mitte die echte Lilly Wust.Irgendwann Landowsky.Und Diepgen.Und Radunski.Thomas Krüger, Otto Schily, Michael Naumann und John Kornblum.Doch genug davon, es ging los, der Kanzler sprach.Und bescherte der Berlinale die erste Panne: Seine Brille war weg.Eine schöne Rede hätte ihm Michael Naumann aufgeschrieben, nun mußte Gerhard Schröder extemporieren.Freundliche Worte für Berlin, Staatsmännisches über öffentliche Förderung, heiter Stichelndes zur Konkurrenz in Amerika, Nettes zu Genscher, der Zwischenapplaus erhielt.Diepgen dann nur noch staatsmännisch, beharrlich sprach er von der "Berinale".Oder meinte er gar die Bärinale? Egal, denn nun, nach Moritz de Hadeln, begann der komödiantische Teil des Abends: Angela Molina stellte ihre Jury vor.Die Stola hing mal hier, mal dort.Die Frau war kaum zu bremsen.Vor 25 Jahren sei sie zum ersten Mal hier gewesen und erfuhr dabei, daß sie Mutter werde.Jetzt habe sie vier Kinder.Großer Beifall.Doch dann erinnerte sie sich an die Dolmetscherin, "Oh sorry", warf fast das Mikrofon um, gestikulierte, redete, lachte - ein spanischer Wirbelwind fegte durch Berlin.Mehr, Angela, mehr.

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