Zeitung Heute : Von „Kammertürken“ und Biedermeier

Aus Anlass des Weihnachtsmarktes bietet das Schloss Charlottenburg exklusive Sonderführungen

Harald Olkus

Mit verlängerten Öffnungszeiten und einer Reihe von exklusiven Sonderführungen beteiligt sich die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg an dem Weihnachtsmarkt vor dem Schloss Charlottenburg. Besucher des Schlosses erwarten Märchenerzähler, Schauspieler, Puppenspieler und Musiker. Mit ihren Darbietungen wollen sie den Gästen einen Eindruck vom winterlichen Leben im Schloss früherer Jahrhunderte vermitteln.

So wird beispielsweise eine der Sonderführungen von Gerhard Vondruska geleitet (1./8./15./ 22./25./26.12., 17 Uhr). Der Schauspieler habe sich in die historische Figur des „Kammertürken Aly“ eingefühlt, sagt Wiebke Dürholt, die das Begleitprogramm organisiert. Und sie erläutert, dass Königin Sophie Charlotte zwei Kammerdiener hatte, und zwar Friedrich Wilhelm Hassan und Friedrich Aly. Beide hatte Friedrich III. von Brandenburg von der Schlacht bei Ofen – dem heutigen Budapest – aus dem Großen Türkenkrieg mitgebracht und nach ihrer Konvertierung zum Christentum als „Kammertürken“ verpflichtet. Und so führt Vondruska im historischen Kostüm mit Turban gegen einen Obolus von zwölf bzw. zehn Euro durch das Schloss und weiß als getreuer Diener Aly über amüsante Begebenheiten zu berichten. Er plaudert über höfische Feste, weist die unkundigen Besucher in die Geheimnisse der Fächersprache ein und erläutert die Aufgaben eines Kammerdieners (Anmeldung unter Tel. 0331/96 94 317). Übrigens: Friedrich Aly wurde zu einem der ersten Bürger Charlottenburgs. Die szenische Darbietung macht auch anschaulich, wie fremdländische Moden damals Einzug in den Hofalltag gefunden haben.

Kastellan Rudolph Scharmann erzählt in seiner Führung „Ich erhielt vom König zwei niedliche Vasen“, wie das preußische Königshaus Weihnachten feierte. Nikolaus und Weihnachtsmann waren zwar damals nicht mit von der Partie, aber der Tannenbaum gehörte schon dazu.

Einen Schwerpunkt bildet die Zeit des Biedermeiers. Anja Fengler lässt im historischen Kostüm die Lebenskultur und Mode Mitte des 19. Jahrhunderts wieder auferstehen. Geschichtenerzähler tragen für Kinder Märchen aus der Biedermeierzeit wie beispielsweise „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ von Andersen vor. Und auch „Die verliebten Schuhe“ – ein Puppenspiel mit kurzen Liebesgeschichten, dargeboten in einem Bauchladen – tragen zur verzauberten Atmosphäre bei.

In einer Führung durch die festlich erleuchteten Kammern erzählt Käthe Klappenbach Interessantes über die aufwendige Anfertigung und die Benutzung der historischen Lüster, Wand- und Tischleuchter im Alten Flügel des Schlosses.

Dazu gibt es ein Begleitprogramm von Tänzerinnen und Musikern in verschiedenen Räumen. Die Biedermeier-Atmosphäre soll vor allem im historischen Oberen Runden Saal in der Kuppel anschaulich werden, sagt Wiebke Dürholt.

An den Adventswochenenden und Weihnachtsfeiertagen soll das Schloss außerdem auch von 18 bis 22 Uhr seine Pforten öffnen und die Besucher mit festlichem Lichterglanz und Märchen, Poesie, Musik und Puppenspiel verzaubern.Harald Olkus

Ausführliche Informationen:

www.spsg.de

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