Zeitung Heute : Von Kokain und Liebesakten Die Chronik der gescheiterten Koalition

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Die MitteRechts-Koalition in Hamburg aus CDU, Schill-Partei und FDP wird gebildet. Erster Bürgermeister ist Ole von Beust (CDU), sein Vize Innensenator Ronald Schill. Die Koalition hat 64 von 121 Mandaten.

21.12.2001: Schill ernennt den Anwalt Walter Wellinghausen, dem Milieunähe zur organisierten Kriminalität nachgesagt wird, zum Innenstaatsrat. Wellinghausen hatte Schill in einem Prozess wegen angeblicher Rechtsbeugung erfolgreich verteidigt.

4.1.2002: Erst unterstellt der „Spiegel“ unterschwellig, dann die Fernsehsendung „Panorama“ unverhohlen, dass Schill Kokain konsumiert. Eine Haarprobe entlastet den Innensenator. Beust sagt, er habe „nie Zweifel“ gehabt.

23.1.2002: Schills Bausenator Mario Mettbach muss auf öffentlichen Druck hin seine Lebensgefährtin entlassen, die er selbst eingestellt hatte. Darauf gibt eine Freundin Schills ihren Plan auf, Staatsrätin im Kulturressort zu werden.

29.8.2002: Eine Bundestagsdebatte über die Hochwasserkatastrophe nutzt Schill, um über angeblich zu hohe Ausgaben des Bundes für Flüchtlinge zu reden. Beust missbilligt das Schüren von ausländerfeindlichen Ressentiments, will die „gute Zusammenarbeit“ mit Schill aber fortsetzen. Die FDP droht mit dem Austritt aus der Koalition.

20.6.2003: Wellinghausen gibt zu, monatlich 4600 Euro Nebeneinnahmen von einer Hamburger Radiologenpraxis zu erhalten, behauptet aber, die Nebentätigkeit sei längst beendet. Nach einem Gespräch mit Wellinghausen erklärt von Beust die Sache für erledigt.

21.7.2003: Es wird bekannt, dass Wellinghausen zusätzlich zu seiner bisher bekannten Nebentätigkeit bis November 2002 im Vorstand einer Münchner Klinik war. Außerdem soll er in ein Disziplinarverfahren gegen einen korrupten Polizisten – seinen ehemaligen Mandanten – eingegriffen haben.

18.8.2003: Bürgermeister Beust kehrt aus seinem dreiwöchigen Urlaub zurück und beruft eine Krisensitzung ein. Schill droht mit Koalitionsbruch.

19.8.2003: Beust entlässt Wellinghausen. Schill droht deswegen, die angebliche Affäre des Bürgermeisters mit Justizsenator Roger Kusch öffentlich zu machen. Beust entlässt daraufhin auch Schill als Innensenator, der sich sogleich vor Kameras stellt und von Geräuschen im Hause des Justizsenators spricht, „die auf Liebesakte schließen lassen“.

17.11.2003: Bildungssenator Rudolf Lange (FDP) tritt nach heftiger Kritik an seiner Kinderbetreuungs- und Schulpolitik zurück.

29.11.2003: Drei Monate nach seiner Entlassung meldet sich Schill mit Angriffen auf den Senat zurück.

9.12.2003: Beust verkündet das Ende der Koalition: „Jetzt ist finito.“

Nach der Auflösung der Bürgerschaft müssen Neuwahlen innerhalb von zehn Wochen stattfinden. Tsp

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