Zeitung Heute : Von Molchen und Mulchen

Wenn die Regentonne gefüllt ist, steht dem richtigen Wassermanagement nichts mehr im Wege.

Simone Augustin
Warm anziehen muss man sich an diesen regnerischen Sommertagen. Gärtner freuen sich indes, wenn ihre Regentonnen wieder bis zum Rand gefüllt werden. Foto: dapd
Warm anziehen muss man sich an diesen regnerischen Sommertagen. Gärtner freuen sich indes, wenn ihre Regentonnen wieder bis zum...Foto: dapd

Der deutsche Sommer macht Pause. Das Wetter lässt derzeit eher an Herbst denken: Viel Regen und bescheidene Temperaturen sagen die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) voraus. Eine gute Gelegenheit, die Wasserreservoirs aufzufüllen. Denn an den hoffentlich noch kommenden heißen Sommertagen kommen Stauden, Rasen und Blumenkübel im eigenen Garten nicht ohne Bewässerung aus.

Trinkwasser ist ein kostbares und teures Gut und damit zur Bewässerung der Pflanzen viel zu schade. Also heißt es: So viel Wasser auffangen und beim Gießen sparen wie möglich. Eine effektive Möglichkeit, um im Garten Wasser zu sparen, bietet der Sprühschlauch. Wird er mit der Öffnung nach unten gedreht, wirkt es wie eine Tröpfchenbewässerung. „Auf diese Weise gelangt das Wasser direkt an die Pflanzen, und nur wenig geht durch Verdunstung verloren“, sagt Erika Brunken, Leiterin der Niedersächsischen Gartenakademie in Bad Zwischenahn. So kann der Boden die Feuchtigkeit langsam aufnehmen und für die Pflanzen speichern. Auch werden die Blätter der Pflanzen nicht nass, was Pilzinfektionen vorbeugt. Grundsätzlich sollte das Gießen oder Sprengen am frühen Morgen oder Abend der Bewässerung in der Mittagshitze vorgezogen werden. Denn: In der heißen Sonne kann es durch Tropfen auf den Blättern zu Verbrennungen kommen.

Wichtig ist jedoch auch, dass der Boden das ausgebrachte Wasser halten kann. „Humus macht sandige Böden bindig und schwere Böden locker. Er wirkt wie ein Schwamm, der Luft, Wasser und Nährstoffe speichern kann“, erklärt Brunken. Das bedeutet, dass ein solcher Boden Wasser besser aufnehmen kann und weniger gegossen werden muss.

Auch Mulchen hat einen positiven Effekt auf die Feuchtigkeitsregulierung im Boden. So verringert die Abdeckung der Erde etwa mit Holzhäcksel oder Rindenmulch die Erwärmung und Verdunstung durch direkte Sonneneinstrahlung. Die Feuchtigkeit bleibt für die Pflanzen länger verfügbar. „Diesen Effekt gibt es auch, wenn man die obere Bodenschicht regelmäßig mit der Hacke lockert“, ergänzt Brunken. So werden die Kapillaren, die feinen Leitungsbahnen im Boden, unterbrochen und weniger Wasser kann verdunsten.

Eine intelligente Lösung stellt auch die Regentonne dar, mit der man Wasser von Dachflächen sammeln kann. „Wenn Regenwasser nicht aufgefangen wird, fließt es unverwertet in die Kanalisation. Das wäre reinste Verschwendung und auch sehr teuer“, sagt Ulrich Thüre, Pressesprecher des Naturschutzbundes Niedersachsen in Hannover. Besser sei es, das gesammelte Wasser während der Trockenperioden zum Gießen zu verwenden.

Falls durch starke Regengüsse ein Überschuss entstehen sollte, kann es über Versickerungsgruben oder Flächen mit Rasengittersteinen auch dem natürlichen Wasserkreislauf zurückgeführt werden. „Wichtig ist eine Abdeckung der Regentonne, die Tiere vor dem Ertrinken schützt“, erläutert Thüre. Außerdem sollte man sie regelmäßig entleeren, um die Besiedlung durch Stechmückenlarven zu verhindern.

Eine Genehmigung für die Nutzung eine Regentonne ist übrigens nur dann nötig, wenn das gesammelte Regenwasser auch im Haus verwendet werden soll. „In welchen Fällen sich das lohnt, bespricht man am besten mit dem entsprechenden Fachmann für Haustechnik.“ Die Art und Weise, wie Beete gestaltet werden, kann ebenfalls Wasser einsparen. Je mehr offene Erde zu sehen ist, desto mehr geht über Verdunstung verloren, weshalb eine geschlossene Pflanzendecke das Ziel sein sollte. „Pflanzen wie Storchenschnabel, Gedenkemein, Haselwurz, Funkie und Waldsteinie können als Bodendecker eingesetzt werden“, rät Brunken. Für die Pflanzung neuer Beete eignen sich bedeckte Tage, an denen die Pflanzen generell weniger verdunsten.

Auch die Pflanzenwahl spielt eine wichtige Rolle. Mediterrane Pflanzen wie Dickblattgewächse oder Sukkulenten halten von Natur aus einen Wasservorrat und haben somit einen geringeren Wasserbedarf.

„Auch Gaura, Lichtquirl und Rudbeckien sind sehr trockenheitsverträglich, denn sie stammen aus eher steppigen, wasserarmen Gebieten“, sagt Brunken. „Und eine Wiese mit heimischen Pflanzen braucht weniger Wasser als ein kurzgeschnittener, englischer Rasen“, ergänzt Thüre. dpa

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