Von TISCH zu TISCH : Glügk

Glügk, Kaiserdamm 4, Charlottenburg, Tel. 302 079 18, geöffnet dienstags bis sonntags ab 17 Uhr. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Glügk, Kaiserdamm 4, Charlottenburg, Tel. 302 079 18, geöffnet dienstags bis sonntags ab 17 Uhr. Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Meerrettichlinsen und Pfifferlingsragout

Von weitem sieht das „Glügk“ aus wie ein Imbiss mit großem Schaufenster, Schiefertafeln und lustigen roten Gartentischen auf dem Trottoir. Understatement scheint ein neuer Trend zu sein. Tritt man ein, geht es zunächst vorbei an einer ladentischähnlichen Vitrine, und es dauert ein Weilchen, bis die edlen Details des winzigen Restaurants auffallen. Dazu gehören die goldfarben gestrichenen Partien an den weißen Wänden, der Lilienstrauß auf der modernen Theke, die hohen Tische mit Hockern zum Anlehnen, und die niedrigeren, mit edlen weißen Stoffen gediegen eingedeckten Tische vor grauen Bänken mit roten Kissen drauf. Kerzen und Windlichter verbreiten Behaglichkeit.

Man sitzt so nah beieinander, dass man leicht ins Gespräch mit den Tischnachbarn kommt. Fürs diskrete erste Date eignet sich das Glügk deshalb eher nicht.

Experimente mit der noch immer neuen Gattung der deutschen Tapas sind häufiger zu beobachten, aber selten werden sie so gekonnt umgesetzt wie hier. Das liegt vielleicht auch daran, dass Bruno Göppl seine Erfahrungen bei bedeutenden Adressen der Stadt gesammelt hat, zum Beispiel im Facil, dem Hugenotten und dem Bamberger Reiter. Die Vitrinen-Vorspeisen werden in kleinen Schalen serviert. Und es geht dabei nur teilweise deutsch zu, beim Handkäs mit Musik beispielsweise oder den Blutwurstscheiben mit Apfel-Chutney. Doch auch die gebratene Jakobsmuschel auf Algensalat und eine Kichererbsenmousse passen ins Programm. Sehr gut gefiel uns das wachsweiche Bio-Ei auf einem großzügig gepolsterten Bett gleichzeitig leichter und cremiger kräuteriger grüner Sauce, die auch gut zu den frischen Brotsorten passt (3 Euro).

Zwei Lammbuletten in der Größe von Tischtennisbällen lassen sich gut aufteilen und mit einer leuchtend orangefarbenen Sauce Rouille veredeln (3 Euro). Auf spontane Wünsche reagiert man hier flexibel. Die Meerrettichlinsen und das Pfifferlingsragout, die eigentlich die Beilagen zu den Hauptgerichten gaben, bekamen wir in der Tapa-Version (3 Euro).

Auch die Hauptgerichte fanden wir sehr gelungen. Der Wildkräutersalat war komponiert aus verschiedenen Blättern, Blüten und Kräutern und kombiniert mit zartsaftigem Filet vom Wildfangrotbarsch (12,50 Euro). Vielleicht hätte der Salat etwas mehr Dressing vertragen, aber das ist Geschmackssache. Die Nachbarn hatten den Fisch auf einem deftigen Bett aus köstlichen Meerrettichlinsen, dazu kleine Petersilienkartoffeln und Gurkensalat für 15 Euro. Ganz besonders köstlich war das vegetarische Gericht: Käseknusprige, wunderbar gewürzte Spinatknödel auf Salbei-Parmesan-Spiegel. Der Beilagen-Salat aus viererlei verschiedenen Tomaten wirkte originell und sah hübsch aus.

Die Originalität setzt sich fort bis zu den Desserts. Der Kombination eines noch festen Munsters mit süßem Gugelhupf und Kapernbirnen konnten wir nicht widerstehen. Hier muss mal ausnahmsweise das in Rezensionen unübliche Wort „lecker“ strapaziert werden (7 Euro).

Auch die Getränkekarte ist mit Sachkenntnis zusammengestellt. Wir begannen mit einem leichten, spritzigen Apfelsecco mit Basilikum. Dass hier ein nachbarschaftliches Netzwerk gut funktioniert, war am 2006er Roquefortissime zu erkennen. Diesen Bordeaux hat ein Weinhändler aus der Gegend entdeckt, und mit seiner goldgelben Farbe und seinem gehaltvollen Charakter akzentuiert er die kleinen Köstlichkeiten gut und gewichtig (33 Euro). Zum Käse passt wunderbar der elsässische Gewürztraminer, und da gerade eine Flasche offen war, bekamen wir ein Glas für 5 Euro.

Ach ja, warum wird das Glügk hier so komisch geschrieben? Wer an einen althochdeutschen Feinschmecker namens Hans im Glügk denkt oder an das glucksende Glück des zum Gourmet gereiften Gourmands, irrt. Es ist das weltweite Netz, das hier stilbildend war. Weil dort die Worte auffallen müssen, um wahrgenommen zu werden. Nach diesem Besuch sind wir zum Glück schon weiter und werden uns auch künftig nicht auf frugale Internet-Besuche beschränken.

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