Zeitung Heute : Von Tisch zu Tisch

Wenn Schubladen klemmen und Möbelbeine wackeln, wissen sich Heimwerker zu helfen

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Streichen, ölen, restaurieren. Wenn es hier und da klemmt, sollte ein originaler Rokoko-Schreibtisch (unten) nicht in Heimarbeit,...dpa-Zentralbild

Ein Erbstück von Oma, ein Schnäppchen vom Flohmarkt oder ein Lieblingsstück aus Kindertagen, Möbel sind Gebrauchsgegenstände. Sie wachsen uns ans Herz, reflektieren unseren Lebensstil, ziehen mit uns um und nutzen sich mit der Zeit ab. Da sind Kratzer im Lack, abgeplatzte Furniere, Dellen und Bruchstellen geradezu vorprogrammiert. Vor allem massive Holzmöbel sind aber viel zu schade für den Sperrmüll und können oft genug mit wenigen Handgriffen gerettet werden. Nicht immer muss dafür gleich der Tischler herbeieilen, denn mit etwas handwerklichem Geschick und Geduld lässt sich einiges machen.

Bevor man sich aber ans Werk macht, sollte geprüft werden, ob der Schaden wirklich selbst zu reparieren ist. „Handelt es sich um eine wertvolle Antiquität, sollte man lieber den Profi ranlassen“, rät Kunstschreinerin Maren Kelpe. „Denn eine Reparatur, die nicht fachgerecht ausgeführt wird, kann sich wertmindernd auf das gute Stück auswirken.“ Es sei also sinnvoll, gerade wertvolle und auch ideell wertvolle Möbel begutachten zu lassen, bevor sie repariert oder restauriert werden. Eine solche Beurteilung würden gute Restauratoren und Kunstschreiner grundsätzlich als kostenlosen Service anbieten.

Die Vorgehensweise des Heimwerkers hängt natürlich stets von der Art und Beschaffenheit des Möbels ab. Manche Arbeitsschritte gehören jedoch immer dazu. Zunächst sollte das Möbelstück komplett auf seine Funktionen überprüft werden. „Dabei wird herausgefunden, was gegebenenfalls repariert werden muss“, sagt Kurt Spatzier, Tischlermeister und Restaurator aus dem brandenburgischen Wiesenburg. Sind die Scharniere und Beschläge funktionsfähig? Hängen eventuell die Türen? Und lassen sich die Schubladen problemlos herausziehen? Darüber hinaus sind oft Verbindungen lose oder haben sich entleimt, wodurch sie instabil werden. „Ist das der Fall, sollten Risse geleimt und in die offenen Fugen passende Hölzer oder Furniere pass- und pressdicht eingebaut werden“, erklärt Spatzier. „Die Holzarten, die dabei verarbeitet werden, sollten möglichst nicht nur gleicher Art und Maserung wie beim Möbel sein, sondern auch das gleiche Alter haben.“ Da Holz „lebt“, können sich Holzmöbel mit der Zeit verziehen. „Antike Möbel stammen aus einer anderen Zeit. Sie leiden oft unter dem heute üblichen Klima der Innenräume. Zu hohe Temperaturen, die gleichmäßige Wärme von Zentralheizungen und trockene Luft schaden den alten Hölzern“, sagt Restaurator Manfred Sturm-Larondelle. „So herrscht in der Heizperiode in vielen Wohnungen ein wüstenähnliches Klima mit unter 30 Prozent Luftfeuchtigkeit. Notwendig wären aber 50 bis 60 Prozent – was auch den Bewohnern guttut.“ Er empfiehlt in solchen Fällen Raumluftbefeuchter als erste Schutz- und Pflegemaßnahme.

„War das Möbel ursprünglich mit Knochenleim verbunden – das ist ein aus Rinderknochen hergestellter Leim, der bis heute noch im Instrumentenbau genutzt wird –, muss man bei der Wahl des Klebstoffs vorsichtig sein“, erläutert Kunstschreinerin Kelpe. Manche moderne Leime enthalten Säuren, die den Knochenleim auflösen. Besser sei es, mit Zweikomponentenkleber zu arbeiten und die Teile anschließend mit Spanngurten oder Klemmen in Position zu halten. Von der Reparatur eines gebrochenen Stuhlbeins würde sie Hobbytischlern allerdings abraten.

Auch Trockenrisse sollten besser vom Fachmann behandelt werden. Wer einen solchen Riss schnell mit Spachtelmasse aus Polyurethan verschließt, habe nicht lange Freude daran, meint Antiquitätenexperte Sturm-Larondelle. „Schon einige Monate später reißt es an genau der gleichen Stelle wieder auf, weil zwar die Öffnung geschlossen ist, das Holz selbst aber weiter arbeiten kann.“ Er empfiehlt in solchen Fällen, den Riss lieber fachmännisch mit einem passenden Holzstück ausspänen zu lassen. Bei modernen Möbeln aus Spanholz hingegen, deren Oberfläche üblicherweise mit einem Furnier beklebt ist, können kleinere Bruchstellen oder abgeplatztes Furnier mit Holzspachtel oder einer Mischung aus Holzleim und feinen Sägespänen repariert werden. Größere Schäden, die die Stabilität des ganzen Möbels infrage stellen, etwa bei Bücherregalen oder Tischen, seien kaum zu beseitigen.

Die Leim-Sägespäne-Mischung kann ebenfalls für andere Möbelschäden hilfreich sein, wie Jakob Olrik meint. Der Industriedesigner und studierte Ingenieur arbeitet gerne mit Holz als Werkstoff und entwirft unter anderem Möbel, die er am liebsten aus alten und neuen Teilen zusammensetzt. „Sollten bei einem alten Schrank die Scharniere herausbrechen, kann man die Löcher mit Kitt oder Spachtelmasse schließen. Nach dem Trocknen sollte die Oberfläche mit Sandpapier glatt geschliffen werden. Danach können mit einem Bohrer vorsichtig neue Löcher für die Scharniere gebohrt werden, die für mehr Stabilität ein wenig kleiner sein sollten als der Durchmesser der Schrauben. Anschließend können die Scharniere wieder montiert werden“, sagt er. Klingt einfach, ist es auch. Man müsse sich nur trauen.

Trockenen und stumpfen Möbeln hauche man mit einer Pflege neues Leben ein. „Mit Wachs oder Öl bekommen alte Möbel wieder einen schönen Glanz“, meint Olrik. „Wachs dringt in das Holz ein und erzeugt mit der Zeit eine etwas dunklere, glänzende Oberfläche, während Öl, mit einem weichen Pinsel aufgetragen, noch hitzeresistenter ist als Wachs und tiefer eindringt.“ Allerdings, so rät Sturm-Larondelle, sollte man antike Möbel nicht mit modernen Pflegemitteln behandeln. „Diese Mittel enthalten zum Teil Silikon und Stoffe, die die alten Lacke und Polituren angreifen und auflösen. Besser sind traditionelle Produkte.“

Kniffliger wird es beim Lackieren, da sind sich die Experten einig. „Man muss sehr sorgfältig arbeiten und oft zwischenschleifen“, sagt Kelpe. Nur so könne eine glatte Oberfläche erzeugt werden. „Ich lasse meine Möbel am liebsten von einem Autolackierer bearbeiten“, sagt Olrik. Zum einen werden die Oberflächen immer glatt und blasenfrei, zum anderen sei Autolack resistenter gegen Flecken und Kratzer als die üblichen ölbasierten Holzlacke. Gleich, ob wertvolle Antiquität oder modernes Design – Holzmöbel sind es wert, dass man sie erhält. „Unser Lebensstil und unsere Bedürfnisse verändern sind ständig“, sagt Jakob Olrik. „Möbel können angepasst werden. Manchmal tut es ein neuer Anstrich, manchmal muss es etwas mehr sein. Dann wird aus vier alten Stuhlbeinen und einer Holzplatte ein neuer Tisch.“ (mit dpa)

Weitere Informationen im Internet:

www.restauratoren.de

www.tischler.de

www.diy-academy.eu 

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