Zeitung Heute : Von unten

Was in den Unternehmen geht

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In der Politik klappen sie einfach nicht, die Bündnisse für Arbeit. Unternehmer und Manager dagegen verabreden mit den Beschäftigten Kompromisse, die Entlassungen vermeiden, neue Arbeitsplätze schaffen oder sogar die Löhne reduzieren. Kaum noch ein Unternehmen der Metallindustrie in Ostdeutschland zahle den vollen Tarif, sagen die Arbeitgebervertreter. In der Bauwirtschaft sei der Tarifvertrag schon reine Fiktion, so oft werde er unterlaufen.

Das ist nicht legal, aber effizient. Das Betriebsverfassungesetz verbietet es tarifgebundenen Unternehmen, die Mitarbeiter schlechter zu stellen, als das der Tarifvertrag vorschreibt. Doch inzwischen interpretieren viele Beschäftigte und Betriebsräte dieses so genannte Günstigkeitsprinzip anders. Sie finden, dass sie mit Lohnverzicht oder Arbeitszeitverlängerung besser fahren als ohne Arbeitsplatz.

Unterstützt werden sie in dieser Haltung von den Unternehmerverbänden. Damit alle Beschäftigten in den Genuss betrieblicher Bündnisse kommen können, wäre es das beste, man würde die Regelungen im Betriebsverfassungsgesetz verändern, die das verbieten, meint beispielsweise BDIPräsident Michael Rogowski. Für die Gewerkschaften ist das die große Kampfansage. „Betriebliche Bündnisse für Arbeit sind Etikettenschwindel“, wettert DGB-Chef Michael Sommer. Dort, wo solche Vereinbarungen geschlossen würden, sicherten sie keinen einzigen Arbeitsplatz. Und dort, wo sie Beschäftigung sicherten, seien die Gewerkschaften die letzten, die das torpedierten. Tatsächlich hat der Druck aus den Betrieben bei den Gewerkschaften Einiges in Bewegung gebracht. Vor allem bei Neu- und Erweiterungsinvesititionen zeigt sich selbst die IG Metall gesprächsbereit. Beim Wolfsburger 5000-mal-5000-Werk akzeptierte sie einen Tarifvertag, der unterhalb des Vokswagen-Haustarifs liegt. BMW und Porsche in Leipzig werden die längsten Maschinenlaufzeiten in Europa haben. Der Charme solcher Verabredungen: Sie sparen meist genau so viel wie informelle Bündnisse. Nur, dass sie eben legal sind. uwe

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