Zeitung Heute : Von wegen Turbo-Zugang…

DSL-Anbieter wie die Telekom versprechen High-Speed-Internet. Aber wie schnell fließen die Daten wirklich?

NAME

Von Ulrike Heitmüller

Wie der Blitz soll der User dank DSL, dem High-Speed-Internet, durchs Web zischen und Dateien mit Geschwindigkeiten von bis zu 768 Kilobits pro Sekunde herunterladen. Damit wäre DSL (Digital Subscriber Line) bis zu 12 Mal so schnell wie ISDN. Zumindest sehen so die Versprechen der Anbieter aus. Die Realität ist eine andere: Die Redakteure der Internetzeitschrift „com!online" wollten es genau wissen. 50 000 Websites ließen sie auf DSL-Leitungen der Telekom, Arcor und QSC herunterladen und die Geschwindigkeit dieser Downloads messen. Außerdem maßen sie die Reaktions-Zeiten. Diese sind besonders für Online-Spieler wichtig und meinen die Dauer vom Absenden einer Botschaft an einen anderen Rechner bis zur Bestätigung des Empfangs.

Das Ergebnis dieser Untersuchungen wurde die Titelstory im September- Heft: „Internet-Turbo nur halb so schnell wie versprochen.“ Bei den Downloads schnitt demnach die Deutsche Telekom am Schlechtesten ab mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von gerade einmal 236,6 kbit/s. Das ist nicht einmal ein Drittel der versprochenen Höchstgeschwindigkeit. Bei Arcor lädt sich der Surfer Daten mit durchschnittlich 338,5 kbit/s herunter und bei QSC mit 411,3 kbit/s, wobei QSC allerdings eine Höchstgeschwindigkeit von 1024kbit/s verspricht.

Auch die Ping-Zeiten sind der Untersuchung zufolge bei der Deutschen Telekom mit 57,7 Millisekunden am ungünstigsten. Es folgt Arcor mit 30,1 und QSC mit 9 Millisekunden. Der Grund für die unterschiedlichen Reaktionszeiten liegt im Übertragungsverfahren der Leitungsanbieter. Daten werden zum Transport über das World Wide Web zerlegt, verpackt und beim Empfänger wieder zusammengesetzt. In der Synchronisation können Fehler auftreten. Um dies zu verhindern, nutzt die Deutsche Telekom das Korrekturprogramm „Interleaving“ als Protokoll für die Datensicherheit: „Datenfehler kann sich die Telekom nicht erlauben“, sagt Pressesprecher Walter Genz. Arcor lässt es fort, die Daten sind daher schneller. „Fast Path“ nennt man diese Übertragungsart. Die schnellsten Ping-Zeiten haben die User bei QSC. Das liegt daran, dass QSC eigene Leitungen und ATM (Asyncron Transfer Mode) verwendet. Bei dieser Übertragungsart werden die Datenpakete in Echtzeit übertragen.

Die gemessenen Ping-Zeiten finden bei den Unternehmen keinen Widerspruch. Die Telekom lobt ihre Sicherheitsstandards, Arcor und QSC sind stolz auf ihren Spiel-Spaß. Das Einverständnis verschwindet allerdings, wenn es um die gemessenen Durchschnittsgeschwindigkeiten geht. Dass die Höchstgeschwindigkeit von 768 bzw. 1024 kbit/s nicht erreicht wird, geben alle zu – doch die weit darunter liegenden Durchschnittsgeschwindigkeiten wollen die meisten nicht akzeptieren.

Telekom-Pressesprecher Walter Genz bezweifelt das Versuchsergebnis glattweg: „Das Messprogramm taugt nichts. Wenn Sie wissen wollen, wie schnell Sie sind, dann laden Sie sich unter www.telekom.de/t-dsl einen kostenfreien ,Speed-Manager’ herunter. Der zeigt an, wie schnell Sie beim Download sind.“ Auch Arcor-Pressesprecher Michael Peter legt kein großes Vertrauen gegenüber den Testergebnissen an den Tag. Sie könnten ganz „zufällig“ entstehen, sagt er. Allein QSC-Pressesprecherin Claudia Zimmermann wundert sich nur im ersten Moment über das Ergebnis – aber QSC ist ja auch am Schnellsten.

Für die schlechten Ergebnisse nennt „com!online“ eine ganze Reihe von Gründen, an denen die Anbieter der Leitungen keine Schuld tragen: Erstens ging es um die Downloadgeschwindigkeiten kleiner Datenpakete. Und die sind immer langsamer, weil ein Download langsam anfängt. Große Datenpakete wurden mehr als doppelt so schnell heruntergeladen. Zweitens gehen an den Knotenpunkten auf der Datenleitung immer einzelne Datenpakete verloren, auch das kostet Tempo. Drittens sind viele Server, von denen der User sich eine Website herunterlädt, mit ISDN ans Netz gebunden und geben daher ihre Daten nur langsam her.

Durchgeführt wurden die Tests von der Teltarif.de Onlineverlag GmbH mit Sitz in Berlin. Das Unternehmen hatte im Auftrag von Capital Anfang des Jahres einen Geschwindigkeitstest durchgeführt – mit denselben Ergebnissen. Hatten die Anbieter der Leitungen nicht reagiert? Möglicherweise – allerdings wurden in der Zwischenzeit KPNQuest und Ebone abgeschaltet. Teltarif.de-Chefredakteur Kai Petzke vermutet, dass dies den User wieder ausbremst.

All das wissen die Unternehmen natürlich auch – und daher ziehen sie keine Konsequenzen aus den desaströsen Resultaten. Telekom: „Das ist eine journalistische Meinung!“ Arcor: „Wir könnten 1500 kbit/s geben, damit der User tatsächlich 768 kbit/s hat, aber damit würden wir ja die Server einer Fremdfirma finanzieren.“ QSC: „Wir sind als Sieger hervorgegangen, und an den Serverleistungen außerhalb unseres Netzes können wir nichts ändern. Das ist einfach Pech für den User.“ Vielleicht pochen die Unternehmen zu Recht auf ihre Unschuld. Aber auf ihren Homepages könnten sie etwas deutlicher machen, dass die Durchschnittsgeschwindigkeit weit entfernt ist von der fett gedruckten und ausdauernd beworbenen Höchstgeschwindigkeit.

Vergleichende Tarifinformationen gibt es im Internet unter: www.flatrate. tv/dsl-flatrate. Der schnelle Surf-Spaß kann ziemlich teuer werden: Die meisten Anbieter haben ihre Preise zum 1. Juli kräftig angezogen. Zuerst die Preise für das Leitungsnetz: Für die Aktivierung von DSL berechnet Marktführer Deutsche Telekom 74,95, und ab dem 1. Januar nächsten Jahres 99,95 Euro. Dazu kommen monatliche Nutzungsgebühren von mindestens 12,99 Euro. Bei Arcor kostet die Aktivierung bis Ende Oktober nichts, die monatliche Nutzung mindestens 7,95 Euro. QSC verlangt 159 Euro für die Aktivierung, die Nutzungsgebühr ist in der Flatrate enthalten.

Ein Modem gibt es bei der Telekom ab 99,95 Euro, manche Provider geben aber Sonderpreise: Wer T-DSL bis Ende Dezember über AOL bestellt, bekommt ein Modem umsonst. Kostenlos gibt es derzeit ein Modem für die Vertragslaufzeit bei QSC und Arcor.

Ins Netz kommt man dann mit einem Provider, der DSL unterstützen muss. In Verbindung mit der Leitung der deutschen Telekom, also T-DSL, bieten viele Provider eine Flatrate an. Telekom-Tochter T-Online ist Marktführer mit etwa 2 Millionen Usern, die Flatrate kostet 25 Euro. Etwa 220 000 Surfer nutzen T-DSL bei AOL (Flatrate 24,90 Euro), 150 000 surfen mit 1&1 (Flatrate bis 100 Std/Monat 29,90 Euro). Es bleibt also dem User überlassen, sich aus den zahlreichen Angeboten das Günstigste auszusuchen.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar