VOR 100 JAHREN : Frohe Aue: Gutsbezirk von Kaisers Gnaden

Ihr Lieblingsplatz ist an der Musterhaussiedlung von 1910, mit Märchenbrunnen, Natursteinmauern und den kleinen „Einsiedlerpavillons“, in denen die Bewohner das Leben auf der Straße beobachten konnten. Katrin Pollok, Frohnaus Gästeführerin, zeigt den Berlinern die Sehenswürdigkeiten ihrer Wahlheimat. Ihre Rundgänge durch die 100-jährige Geschichte des Ortsteils gehören zum Festprogramm.

Die Gründung

Bereits 1907 hatte Guido Graf Henckel Fürst von Donnersmarck, einer der reichsten Männer seiner Zeit, durch seine „Berliner Terrain-Centrale“ Waldgelände der „Stolper Heide“ beiderseits der Berliner Nordbahn kaufen lassen, um hier eine Villenkolonie zu errichten. Sie wurde durch kaiserlichen Erlass ein selbstständiger Gutsbezirk und erhielt – abgeleitet von der Bezeichnung „Frohe Aue“ – den Namen Frohnau.

Das Zentrum der Gartenstadt entstand an dem am 1. Mai 1910 eröffneten Bahnhof Frohnau. Damit die neue Siedlung nicht zerschnitten wird, wurden die Gleise tiefergelegt. Von der Doppelplatzanlage Bahnhofs- und Cecilienplatz (heute Ludolfinger- und Zeltinger Platz) zweigen die radial verlaufenden Haupterschließungsstraßen ab. Neben dem Bahnhof entstand das Wahrzeichen Frohnaus, der 30 Meter hohe „Casinoturm“, mit Uhren in allen vier Himmelsrichtungen und einer Aussichtsgalerie.

Vornehmlich Professoren, Ärzte, Kaufleute, Fabrikbesitzer und Bankiers zog es damals nach Frohnau. Der Erste Weltkrieg und seine Folgen brachten das Konzept einer reinen Villenkolonie aber ins Wanken. Die ersten Zwei- und Mehrfamilienhäuser wurden errichtet, sowie ganze Wohnsiedlungen. Dennoch blieb der Gartenstadtcharakter bis heute erhalten. Der Bau von Hochhäusern ist nach wie vor verboten.

Nur zehn Jahre nach seiner Gründung, am 1. Oktober 1920 verlor Frohnau seine Selbstständigkeit und wurde, sehr zum Unwillen seiner Bewohner, in die neue Großgemeinde Berlin integriert. Seitdem ist die Gartenstadt ein Ortsteil des Verwaltungsbezirks Reinickendorf.

Sehenswürdigkeiten.

Sehenswert ist das 1924 fertiggestellte Buddhistische Haus am Edelhofdamm. Es wurde nach Plänen des Architekten Max Meyer im Auftrage des Arztes Paul Dahlke errichtet und von dessen Erben 1957 an die German Dharmaduta Society verkauft. Die hier lebenden Mönche aus Sri Lanka bieten unter anderem Vorträge und Meditationsveranstaltungen.

Ein Wahrzeichen aus jüngerer Zeit wurde am 8. Februar 2009 gesprengt. Der zwischen 1977 und 1979 errichtete Richtfunkmast war mit 358,58 Metern nur zehn Meter niedriger als das höchste Bauwerk in Deutschland, der Fernsehturm am Alexanderplatz. Über ihn liefen zu Mauerzeiten die Telefongespräche zwischen West-Berlin und der Bundesrepublik, nach der Wiedervereinigung hatte er seine Zweckbestimmung verloren. -du

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