Zeitung Heute : Vor dem Scherbenhaufen

Veranstalter fürchten wieder einmal um das Ägypten-Geschäft

Nach dem Brandanschlag auf einen Touristenbus in Kairo steht die Reisebranche erneut vor den Scherben des Ägypten-Geschäfts."Eine Katastrophe drohtÒ, befürchtet Knut Carus von Egyptair, die 19 Mal pro Woche Kurs auf das afrikanische Land nimmt.Auch die meisten Reiseveranstalter - so zeigt eine Umfrage der Nachrichtenagentur telex dienst tourismus (tdt) unter den führenden Anbietern - haben Sorge."So ein Vorfall kann die Nachfrage erheblich dämpfenÒ, urteilt Ursula Reinert von Oft-Reisen, die im Reisejahr 1996/97 rund 35 000 Ägypten-Kunden erwartet.Auch die Touristik Union International (TUI), die sogar auf rund 50 000 Ägypten-Urlauber kommen will, befürchtet einen Rückgang."Damit muß man rechnenÒ, so TUI-Sprecher Rainer Ortlepp.Vor allem drohen ITS Einbußen: Die 33 Urlauber, die in dem Bus saßen, hatten bei dem Kölner Unternehmen ihre Reise gebucht. Trotz des Anschlages können Ägypten-Urlauber nicht kostenlos von ihrem Reisevertrag zurücktreten.Darauf weist der Deutsche Reisebüro-Verband (DRV) in Frankfurt am Main hin."Erst wenn das Auswärtige Amt ausdrücklich vor Reisen warnt, ist dies möglichÒ, so DRV-Sprecherin Ariane Alzer.Eine generelle Warnung vor Reisen nach Ägypten - 1996 Ziel von 437 000 Bundesbürgern - spricht das Ministerium nicht aus: Es teilt aber mit, "daß Anschläge auch in Zukunft nicht ausgeschlossen werdenÒ. Pauschalurlauber können jedoch - wie ähnliche Vorfälle in der Vergangenheit zeigen - auf Kulanz hoffen.Hopfensberger: "Reiseveranstalter buchen dann Kunden meist unbürokratisch auf andere Ziele um, um sie in Zukunft nicht zu verlieren.Ò Die Expertin empfiehlt allen verunsicherten Ägypten-Urlaubern, sich darüber in ihren Reisebüros zu informieren.Der Kölner Reiseveranstalter ITS und Neckermann Reisen boten sofort Umbuchungen an und akzeptieren auch kostenlose Stornierungen. Bestehen Reiseveranstalter allerdings auf dem einmal geschlossenen Reisevertrag, haben sie Justitia auf ihrer Seite."Nur bei amtlich bestätigten Kriegswirren und politischen Krisen sowie bei höherer Gewalt ist ein kostenloser Rücktritt möglichÒ, bestätigt Reiserechtler Helmut Eisner ausdrücklich die Auffassung der Reiselobby, die sich auf ein Urteil des Landgerichts Stuttgart (Aktenzeichen 16 S 297 / 94) stützt.Die Richter schrieben darin fest, daß nur das Auswärtige Amt die Sicherheitslage eines Reiselandes objektiv einschätzen könne.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben