Zeitung Heute : Vor dem Spiel: ARGENTINIEN - JAPAN: Scheibenschießen soll beginnen

TOULOUSE (sid).Diego Maradona hatte die Gnade der frühen Geburt.Ohne sie wäre er nicht Fußball-Weltmeister geworden.Nicht unter einem Nationaltrainer Daniel Passarella.Dessen erste Maßnahme beim Amtsantritt Ende 1994 war ein Qualifikations-Katalog für Nationalspieler.Durch das Raster fielen als erste Maradona (wegen Drogen), Cannigia (Diebstahl), Redondo und Batistuta (lange Haare)."Wer unser Land präsentieren will, muß auch außerhalb des Platzes ein Vorbild sein, für Schmuddelkinder ist kein Platz", lautete die schlichte Begründung Passarellas.

Ein Aufschrei der Empörung ging durch die Bars und Gazetten.Doch die Spieler, auf die es Passarella ankam, haben ihn akzeptiert.Nicht sofort, aber vor allem rechtzeitig zur WM-Qualifikation, die Argentinien in Südamerika auf Platz eins abschloß.Spätestens seit Ende April, seit dem 1:0 über Brasilien gilt die Truppe für viele Experten als Geheimfavorit.

Die harte Welle für die verwöhnten Stars konnte nur aus zwei Gründen greifen.Zum einen ist der Mann, der Argentinien 1978 als Kapitän zur ersten Weltmeisterschaft führte, noch immer eine Symbolfigur im Land der Gauchos.Zum anderen übernahm der heute 55jährige das Team am Tiefpunkt.Das Aus im WM-Achtelfinale 1994 gegen Rumänien war schon eine Schmach.

Der erste Akteur, der sich besann, war Gabriel Batistuta.Der Torjäger vom AC Florenz nutzte eine Bedenkzeit, um einen Friseurtermin zu vereinbaren, und durfte ins Aufgebot zurück.Mit Claudio Lopez (Valencia), der Hernan Crespo (Parma) den Rang ablief, könnte er eines der gefährlichsten Sturmduos dieser WM bilden.Heute in Toulouse gegen Japan soll das Scheibenschießen beginnen und gegen Jamaika fortgesetzt werden, ehe es gegen Kroatien um den Gruppensieg geht.

Aber, sollte Argentinien wieder frühzeitig scheitern, wird Daniel Passarella die Heimreise als Ex-Nationaltrainer antreten.Sollte er aber mit dem vierten WM-Titel zurückkommen, werden ihm alle Friseure die Füße küssen.

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