Zeitung Heute : Vor dem Spiel: ENGLAND - RUMÄNIEN: Hooligans drohen mit neuer Gewalt

TOULOUSE (sid).Die Angst vor den Hooligans ist größer als der Respekt vor dem Gegner.Im bevorstehenden Duell mit Rumänien heute in Toulouse fürchten sich die Engländer weniger vor den Ballkünsten eines Gheorge Hagi als vielmehr vor erneuten Krawallen ihrer Fans."Wenn wir in Toulouse verlieren, wird es wieder losgehen", kündigte Paul Bodd, einer der berüchtigsten Hooligans des Landes öffentlich an und schürte damit wenige Tage nach dem Gewaltausbruch von Marseille in seiner Heimat die Furcht vor weiteren Unruhen.

In einem Interview mit der Londoner Zeitung "Express" sprach der 27 Jahre alte Bodd, der nach über 30 Verhaftungen als einer der Anführer gewaltbereiter englischer Anhänger gilt, offen über die Pläne seiner Gesinnungsgenossen und die mangelhaften Vorkehrungen in Marseille: "Die Sicherheitsmaßnahmen waren ein Witz.Am Flughafen wurde ich nur drei Stunden festgehalten, danach durfte ich gehen.Die Polizei hat uns sogar noch den Weg zum Taxistand gezeigt."

Vor allem bei der dritten Partie der englischen Mannschaft am Freitag in Lens gegen Kolumbien ist laut Bodd mit weiteren Ausschreitungen zu rechnen."Im Prinzip ist Toulouse nur ein Aufwärmspiel für Lens.Ich habe mit Jungs gesprochen, die für diese Partie eigens ihren Hooligan-Ruhestand unterbrechen wollen."

Soviel Zündstoff ist Trainer Glenn Hoddle (40) zuwider.Mit aller Kraft versucht der bekennende Christ die Diskussionen über die Fan-Exzesse von der Mannschaft fern zu halten.Dennoch glaubt er an unerfreuliche Begleiterscheinungen der Krawalle.Weil der für das Spiel gegen die Rumänen angesetzte Schiedsrichter Marc Batta aus der "Krawallstadt" Marseille kommt, könnte der Unparteiische, laut Hoddle, besonders sensibel auf das tackling-orientierte Abwehrspiel der Engländer reagieren."Wenn wir uns nicht vorsehen, beenden wir die Partie mit acht Leuten", sagte der 53malige ehemalige Internationale, der sein Team deshalb gegen die Rumänen auf eine gemäßigte Gangart einschwören will.

Die Stadt Toulouse bereitet sich unterdessen mit einem Hooligan-Steckbrief und schweren Geschützen für den Einfall der Hooligans vor.Die Lokalzeitung La Depeche warnt die Einwohner der "Rosa Stadt" mit einer genauen Täterbeschreibung: "Einen Hooligan erkennt man schon von weitem: am kahlrasierten Schädel, an den Tätowierungen, dem Nazi-Gruß, den Pfunden an Fett und Muskeln und der Angewohnheit, ungeniert überall hinzupinkeln." 640 Beamte einer Spezialeinheit und insgesamt 2000 Polizisten sollen dafür sorgen, daß sich die "Schlacht von Marseille" mit mehr als 60 Verletzten und 102 Festnahmen nicht wiederholt.10 000 Engländer werden in Toulouse erwartet, nur 5500 haben eine Eintrittskarte.

In England wächst derweil der Zorn auf die Schläger."Diese Idioten sind eine Schande", sagte Premierminister Tony Blair: "Die Arbeitgeber sollten verurteilte Rowdys fristlos entlassen, wenn sie heimkehren." Innenminister Jack Straw will im Unterhaus die Haftstrafen für überführte Randalierer von vier Wochen auf sechs Monate erweitern.Auch will er ihnen Paß und Führerschein abnehmen, um sie am Reisen zu hindern.Nur der Tory-Abgeordnete Alan Clark schlägt andere Töne an."Unsere fairen Jungs sind Opfer von Vorurteilen", sagte er und löste damit landesweit Kopfschütteln aus.

ZDF - live - 21 Uhr England - Rumänien

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