Zeitung Heute : Vor dem Spiel: ENGLAND - TUNESIEN: Von der Theke zum Titel?

MARSEILLE (dpa).Den Eskapaden abseits des Platzes sollen endlich Heldentaten bei der Weltmeisterschaft folgen.Trotz der Skandale um die Kneipentouren des Exzentrikers Paul Gascoigne und von Teddy Sheringham sieht Englands Nationaltrainer Glenn Hoddle 32 Jahre nach dem WM-Sieg im eigenen Land die Zeit für neue Triumphe gekommen."Wir haben die beste englische Mannschaft, die jemals bei einem WM-Turnier gespielt hat", tönte der 40jährige schon vor dem ersten Auftritt seines Teams heute gegen Tunesien in Marseille."Wir sind nicht nur für vier oder fünf Spiele nach Frankreich gekommen.Ich bin fest davon überzeugt, daß wir Weltmeister werden können."

Hoddles Optimismus überrascht.Denn die Vorbereitung wurde durch Vorfälle gestört, die der Mannschaft wieder einmal den Ruf als "Thekenteam" einbrachten.Erst fiel "Skandalnudel" Gascoigne zum x-ten Mal mit einem Alkoholexzeß auf und wurde von Hoddle aus dem WM-Kader geworfen.Dann bekam Sheringham vom Trainer die "Gelbe Karte" gezeigt, weil er bei einem Kurzurlaub in Portugal drei Nächte in Bars verbracht hatte.Hoddle gibt dem 32jährigen von Manchester United gegen Tunesien dennoch eine letzte Chance und läßt ihn im Angriff neben Alan Shearer spielen.Gascoignes Rolle als Spielmacher im Mittelfeld soll Sheringhams Klubkollege Paul Scholes übernehmen.

Um weitere Störungen zu verhindern, hat Perfektionist Hoddle nichts dem Zufall überlassen.Das Quartier bei La Baule an der Atlantikküste ließ er hermetisch abriegeln.20 Sicherheitsbeamte sorgen dafür, daß kein Journalist ungebeten das Gelände betritt.Die gefürchtete englische Boulevard-Presse bekommt keine Skandale mehr geliefert und hält vorerst still.

Hoddles Kollege Henry Kasperczak, der nach der WM den SC Bastia auf Korsika trainiert, gibt sich vor dem Spiel gegen die Engländer keinen Illusionen hin: "England ist einer der WM-Favoriten.Und auch die anderen beiden Gruppengegner Kolumbien und Rumänien sind etablierte Fußball-Nationen.Für uns ist das Wichtigste, eine gute Show zu liefern", sagte der gebürtige Pole mit dem französischen Paß.

"Wir sind realistisch.Die zweite Runde zu erreichen, ist Utopie", meinte Mittelfeldspieler Zoubele Baya vom Bundesliga-Aufsteiger SC Freiburg, der seinen Platz in der Anfangsformation an Skander Souayah verloren hat.Beste Chancen auf einen Einsatz hat Bayas Vereinskollege und Stürmer Mehdi Ben Slimane.Offen ist noch die Torwartfrage.Derzeit scheint Chokri El Ouaer die besseren Karten zu haben als sein Konkurrent Ali Boumnijel.

Für die Polizei in Marseille besteht wegen der befürchteten Fan-Invasion erhöhte Alarmbereitschaft.10 000 Briten werden in der Hafenstadt erwartet, viele von ihnen haben keine Karten.Schon am Samstag abend war es zu Krawallen zwischen der Polizei und etwa 200 Anhängern gekommen.Nach Angaben von Rettungskräften wurden ein Polizist und eine nicht genannte Zahl an Hooligans verletzt.Die Polizei nahm zwölf Personen fest.

ARD -live - 14.30 Uhr: England - Tunesien

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