Zeitung Heute : Vor dem Spiel: ITALIEN - KAMERUN: "Azzurri" ohne "Champions" gegen Kamerun

MONTPELLIER (sid)."Chef" Cesare Maldini schreckt vor unpopulären Entscheidung nicht zurück und hat für ein Novum im italienischen Fußball gesorgt: Im 556.Länderspiel der 88jährigen Geschichte des Nationalteams wird erstmals kein Spieler des aktuellen italienischen Meisters in der Anfangsformation stehen.Beim zweiten und vorentscheidenden WM-Gruppenspiel der "Azzurri" heute (21 Uhr/live im ZDF) in Montpellier gegen Kamerun muß Superstar Alessandro Del Piero vom "Champion" Juventus Turin erneut auf die Bank.

"Ich bin nicht richtig fit und weiß nicht, ob ich 90 Minuten durchhalte", erklärte der 23jährige nach gerade ausgeheilter Oberschenkelverletzung und beendete die in Italien eskalierende Diskussion um seinen Einsatz mit oder ohne Roberto Baggio.Mit seinem ersten WM-Auftritt wird allenfalls in der zweiten Halbzeit gerechnet.Beim glücklichen 2:2 gegen Chile zum Auftakt lief mit Angelo Di Livio zumindest einer der fünf verbliebenen Turiner - Torhüter Peruzzi und Ferrara mußten die WM-Teilnahme wegen Verletzungen absagen - aufs Feld.Doch der Mittelfeldspieler soll nun den Platz für Francesco Moriero (Inter Mailand) räumen.

Die "Squadra azzurra" steht am Scheideweg.Die Italiener müssen siegen, um ein Fiasko zu vermeiden.Auch die "unbezähmbaren Löwen" sind nach dem 1:1 gegen Österreich auf drei Punkte aus.Die Trainer Maldini und Claude Le Roy sind sich einig: "Nur ein Sieg bringt uns weiter."

"Es gibt keinen Grund im größeren Rahmen zu experimentieren.Es hat mir gefallen, wie die Mannschaft nach dem 1:2 gegen Chile reagiert hat.Das erste WM-Spiel ist immer schwer", begründete Maldini.Die Frage nach dem künftigen Auftritt des Duos Del Piero/Roberto Baggio, der Italien mit seinem verwandelten Handelfmeter vor einer Auftakt-Blamage bewahrte, ließ er weiter offen.Für wesentlich mehr Unruhe und Ärger im WM-Quartier sorgten Schlagzeilen um Äußerungen des ehemaligen FIFA-Bosses Joao Havelange."Der Elfmeter war ein Fehler des Schiedsrichters und ein Geschenk für Italien", hatte der Brasilianer kritisiert.Die "Squadra Azzurra" befürchtet Nachwirkungen bei den Referees in den weiteren Spielen."Wir brauchen keine Hilfe von anderen.Havelange sollte sensibler mit seinen Aussagen umgehen.Eine WM ist nicht der richtige Ort und Zeitpunkt dafür", wetterte Dino Baggio.

Auch die italienische Presse fürchtet die "Rache" der Schiedsrichter, nachdem Monsieur Bouchardeau aus dem Niger den "Azzurri" gegen Chile einen Elfmeter geschenkt hatte."Nun müssen wir einiges befürchten", schrieb die "La Republica" und zitierte Kameruns Präsidenten Vincent Onana: "Man kann sich auf die Unparteiischen nicht verlassen, wenn man gegen Italien spielt.Sie helfen uns bestimmt nicht.Das ist gegen alle großen Mannschaften so, gegen Italien aber ganz besonders."

Ohnehin zeigen Italiens Superstars Nerven.Das vermeintlich leichteste Gruppenspiel dürfte sich als eines der schwersten erweisen.Den Respekt vor den körperlich robusten Afrikanern legte zumindest die die Fachzeitung Corriere dello Sport ab.Den Gewichtsvergleich beider voraussichlichen Formationen hat Italien mit 861 zu 859 Kilogramm gewonnen.Nur in der Durchnittslänge (1,81 m) herrscht Gleichstand.

Wie auch in der Ausgangsposition, denn Kamerun startete mit einem Unentschieden (1:1 gegen Österreich)."Ein Sieg, und das Achtelfinale ist zu neunzig Prozent erreicht", unterstreicht Maldini die Brisanz der Begegnung.An eine Niederlage, die - wie das Vorrunden-Aus bei der Euro 96 - einer nationalen Katastrophe gleichkäme, will der 66jährige nicht denken.

Aber auch die "Löwen" aus Kamerun wittern die Chance auf die nächste Runde."Wir müssen mit einem wütenden Italien rechnen und defensiv gut stehen", sagte Routinier François Omam-Biyik.Nach 13 Jahren im Nationalteam hat der Stürmer bei seiner dritten Weltmeisterschafts-Teilnahme den Traum vom zweiten Coup noch nicht abgeschrieben.1994 in Italien kam Kamerun ins Viertelfinale und erschütterte die Fußball-Hierarchie.

Die Mannschaft Kameruns hat in den vergangenen Tagen vor allem Standardsituationen geübt.Die Mannschaft hat unter Le Roy starke Fortschritte gemacht."Unser Erfolgshunger ist riesengroß.Wir wollen auch in Frankreich etwas Außergewöhnliches schaffen", kündigte Omam-Biyik an.Sein Tor gegen Argentinien bei der WM-Eröffnung vor acht Jahren in Mailand hatte sein Land in einen tagelangen Freudentaumel versetzt.

ZDF - live - 21 Uhr Italien - Kamerun

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