Zeitung Heute : Vor dem Spiel: KOLUMBIEN - TUNESIEN: Heißer Tanz für Heynemann

MONTPELLIER (sid).Schiedsrichter Bernd Heynemann (Magdeburg) muß sich bei seinem WM-Debüt heute in Montpellier auf einen heißen Tanz gefaßt machen.Beim Duell zwischen Kolumbien und Tunesien wird nicht nur die Hitze im Stade Mosson für hitzige Stimmung sorgen.In beiden Ländern schlagen die Wellen hoch.Beiden Teams droht nach den Auftaktschlappen das vorzeitige Aus in Gruppe G.Weil es um die "Ehre der Nation" geht, hat sich Kolumbiens Ex-Bayer Adolfo Valencia schnell noch die Haare gelb-rot gefärbt.

Die Nordafrikaner rechnen wegen der starken tunesischen Kolonie in Montpellier mit einem Heimspiel und setzen ihre Hoffnungen auf das Freiburger Angriffsduo Ben Slimane und Zubeir Beya; wenn der polnische Nationalcoach Henri Kasperczak diesmal beide mitspielen läßt."Setzt ihn sofort ab", forderte Tunesiens führende Zeitung La Presse nach dem 0:2 gegen England.

Kolumbiens Trainer Hernan Dario Gomez geht es nicht besser.In Bogota forderten 63 Prozent bei einer Blitzumfrage nach dem 0:1 gegen England: "Weg mit Bolillo" (zu deutsch: Knüppel) noch vor dem Tunesien-Match.Das Einprügeln auf den "knüppelharten" Coach ist fast zum Nationalsport geworden.Staatspräsident Ernesto Samper griff gar persönlich zum Telefon und wollte Gomez zwingen, den Hinauswurf von Starstürmer Faustino Asprilla nach dessen Kritik am Coach rückgängig zu machen: "Dann fliege ich selbst nach Hause", verkündete "Bolillo" beleidigt.Dann besann er sich: "Ich versuche weiter, mit der Mannschaft wenigstens so weit wie 1990 zu kommen." Da wurde nach einem 1:1 gegen Deutschland das Achtelfinale erreicht.Die beiden Stars von damals sollen es noch einmal richten: Torschütze Freddy Rincon und Carlos Valderrama.Auch er hat ein Heimspiel.Einst trat der Wandervogel auch in Montpellier auf, inzwischen ist er in Miami gelandet.

In beiden Lagern herrscht Frust: "Ich bin ein glücklicher Mensch, wenn ich nach der WM aufhören kann", macht Gomez seinem Ärger Luft.Kollege Kasperczak unterschrieb bereits beim französischen Erstligisten Bastia: "Nach vier Jahren Aufbauarbeit hätte ich mir einen schöneren Abschied gewünscht." In diesem Kessel der Emotionen muß wenigstens Bernd Heynemann kühlen Kopf behalten.Denn nur wenn alle nach seiner Pfeife tanzen, kann der 44jährige Magdeburger noch auf einen zweiten WM-Einsatz hoffen.

ZDF - live - 17.30 Uhr Kolumbien - Tunesien

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