Zeitung Heute : VOR DREI "KRITISCHEN" SPIELEN: WM-Städte rüsten sich gegen Hooligans

PARIS (sid).Alarmstufe rot vor dem Wochenende der "kritischen Spiele" in Frankreich.Im ganzen Land rüsten die Sicherheitskräfte und WM-Städte aus Angst vor erneuten Ausschreitungen der englischen und holländischen Hooligans auf.Vergrößerte Polizeiaufgebote, Alkoholverbote, Absagen von Großveranstaltungen und verkürzte Sperrstunden sollen neue Krawalle wie die englischer Rowdys zu Wochenbeginn in Marseille verhindern.

Den nach den Schreckensbildern von Marseille aufgeschreckten Ordnungskräften stehen gleich drei harte Bewährungsproben bevor: Für die WM-Partien Holland gegen Südkorea heute in Marseille, USA gegen Iran am Sonntag in Lyon und England gegen Rumänien am Montag in Toulouse gelten verschärfte Sicherheitsmaßnahmen.

Vor allem beim politisch hochbrisanten Match zwischen Deutschlands WM-Gruppengegnern USA und Iran ist die Polizei in Lyon präsent: Über 7000 Einsatzkräfte sollen allerdings weniger Hooligans in Schach halten, als gewalttätige Aktionen oppositioneller Exil-Iraner gegen das Teheraner Mullah-Regime verhindern.Vor dem Duell der seit 20 Jahren verfeindeten Länder bereiten den WM-Machern allerdings mögliche Anschläge radikaler Extremisten die größte Sorge.

Schlimme Befürchtungen hegen die Behörden auch in Toulouse: Über 10 000 Fans aus England werden zum Spiel gegen Rumänien erwartet, die berüchtigten Hooligans sollen in der "Rosa Stadt" aber kein ähnliches Chaos auslösen wie in Marseille.300 weitere Mitglieder der Sondereinheit CRS wurden zur Verstärkung der ohnehin 1300 abgestellten Polizisten nach Südfrankreich beordert.

Seit Donnerstag gilt bis Montag täglich ab 23 Uhr eine um fünf Stunden vorverlegte Sperrstunde.Bürgermeister Dominique Baudis sagte das Konzert im Rahmen der landesweiten "Fête de la Musique" am Sonntag ebenso ab wie zwei Übertragungen des Matches auf Großleinwänden im Stadtzentrum.Außerdem wird heute über den kurzfristigen Aufbau von Zäunen im Stade Municipal entschieden.

Im bereits leidgeprüften Marseille verhängte die Präfektur bis Sonntag ein Ausschankverbot für Alkohol ab 24 Uhr sowie ein totales Alkoholverbot auf öffentlichen Straßen und Plätzen.Auf Druck der Gastronomen wurde immerhin die auf 4 Uhr festgelegte Sperrstunde nicht vorgezogen.

Die Regionalverwaltung rechnet mit 20 000 bis 30 000 Fans aus Holland, von denen nur 10 000 ein Ticket besitzen.Insgesamt 2000 Sicherheitskräfte sollen für Ordnung sorgen.Bis zum WM-Ende am 12.Juli sind Besitz und Genuß von Alkohol rund um die Stadien "Stade de France" und "Parc des Princes" ebenso verboten wie vor den Großleinwänden am Eiffelturm, Hotel de Ville und an drei weiteren Plätzen.Bistros und Restaurants in Stadionnähe sollen bei Spielen in Paris schließen.An neuralgischen Punkten darf Alkohol außerdem nur noch in Plastikbechern ausgeschenkt werden.

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