Zeitung Heute : VORBILDER FÜR DEN DEUTSCHEN NACHWUCHS.Holland und Frankreich ernten die Saat

PARIS (sid).18, 20, ausgereizt: Wovon Bundestrainer Berti Vogts derzeit nur träumen kann, ist in den führenden europäischen Fußball-Nationen schon lange Realität.In Frankreich, Spanien und England wird konsequente Talentförderung schon in der frühen Jugend betrieben.In Holland ist die Schmiede von Ajax Amsterdam das Maß aller Dinge.Mit Erfolg: Patrick Kluivert, Edgar Davids und Dennis Bergkamp sind dabei, das Erbe von Frank Rijkaard oder Marco van Basten anzutreten.

Die Jugend in Deutschland hat dagegen nach dem Juniorenbereich mit 18, 20 Jahren immer weniger Chancen, in der Bundesliga Fuß zu fassen.Uli Hoeneß hat den Deutschen Fußball-Bund (DFB) als erster nach dem Viertelfina-K.-o.lautstark zu Reformen aufgefordert: "Wir leben noch in einem vorsintflutlichen Zeitalter", polterte der Manager des FC Bayern München.Wie Hoeneß suchte Schalkes Manager Rudi Assauer zudem in der Gesellschaft Ursachen für die Nachwuchs-Misere."Das ist eine Mentalitätsfrage.Die jungen Leute von heute sitzen vor der Glotze, spielen Volleyball oder Basketball.Aber sie müssen sich quälen im Fußball.Und wenn dann einer was kann, kommt er schon in jungen Jahren mit Rechtsanwalt und Berater und fordert Beträge, da haut es dir die Socken weg", verriet Assauer.Hoeneß forderte den DFB auf, die Tresore aufzumachen, um "die jungen Leute zum Fußball zu bringen".

Diesbezüglich sind die europäischen Länder mit den stärksten Ligen längst enteilt.In Frankreich lernen Nachwuchs-Kicker ab neun Jahren in Internaten nicht nur den Umgang mit dem Ball, sie werden zudem in Schulfächern wie Mathematik ausgebildet.Aus dem "Azubi" wird nach bestandener Abschlußprüfung ein "Geselle" und mit guten Noten dann ein Profi.Jeder Profi-Verein der ersten und zweiten Liga ist ein Arbeitgeber, der Lehrlinge anstellen muß.Ausbildungsrichtlinien schreibt der vor.

Um zu vermeiden, daß die Talente dem Arbeitgeber den Rücken kehren, müssen sie in der Regel mit 17 Jahren Fünfjahresverträge schließen.Jung-Stars wie Thierry Henry und David Trezeguet (beide AS Monaco) wurden so entdeckt und ausgebildet.Für Henry wollte Real Madrid schon etliche Millionen auf den Tisch legen, doch Monaco stellte sich quer."Wir ernten jetzt die Saat der vergangenen Jahre", sagt Frankreichs Fußball-Idol Michel Platini.

Auf Fußball-Internate setzen auch die Spanier und Italiener.Besonders die Talentschmieden von Atletic Bilbao, dem FC Barcelona und Real Madrid genießen in Spanien einen exzellenten Ruf.1979 wurde "Barcas" Schule "La Masia" gegründet.Wenige Meter entfernt vom Stadion Nou Camp lernen Jugendliche das Fußball-Einmaleins.37 Akteure haben von dort seitdem den Weg in die erste und zweite spanische Division gefunden, darunter Stars wie Amor, Ferrer und de la Peña.

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