Zeitung Heute : Vormarsch durch die Institutionen

ANDREAS ROEPKE

Öffentlichkeitsarbeit findet sich mittlerweile in nahezu allen gesellschaftlichen BereichenVON ANDREAS ROEPKEDie meisten Public Relations Agenturen erwarten für 1998 eine fortgesetzte Belebung des Marktes, wie eine Umfrage unter den Mitgliedsfirmen der DPRG (Deutsche Public Relations-Gesellschaft e.V.) ergab.Nur etwa jedes zehnte Unternehmen geht von einer rückläufigen Entwicklung aus.Der in Münster lehrende Professor Klaus Merten geht noch einen Schritt weiter: Er bezeichnet das Tätigkeitsfeld PR nach Auswertung einer Analyse Mitte der 90er Jahre sogar als die größte Wachstumsbranche innerhalb der Kommunikationsberufe.Rosige Zeiten also für kommunikative Naturen? Auch die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit leidet in Deutschland unter einem gewichtigen Mangel.Die Berufe im PR-Bereich sind nicht geschützt, das heißt grundsätzlich besteht ein freier Zugang zu dieser Berufsgruppe.Entsprechend viele Autodidakten tummeln sich unter den geschätzten 16 000 Beschäftigten der Branche. Zur Professionalisierung des Berufsstandes fehlen die entsprechenden Einrichtungen.Bundesweit lehren nur 5 Professoren regelmäßig im Bereich PR.Der einzige Lehrstuhl für Öffentlichkeitsarbeit / PR und Organisationskommunikation wurde 1994 an der Universität Leipzig eingerichtet.Ein weiterer Wegbereiter in Sachen PR ist die Freie Universität Berlin.Dort wird das Studium der Publizistik mit dem Schwerpunkt Öffentlichkeitsarbeit angeboten. Doch es gibt auch kritische Stimmen, die für eine gute Durchmischung des Marktes aus Berufseinsteigern mit sozial-, geistes-, naturwissenschaftlichen und technischen Studienabschlüssen plädieren.Nach dem erfolgreichen Abschluß eines Fachstudiums soll der anschließende Aufbaustudiengang Öffentlichkeitsarbeit absolviert werden, um die erforderlichen Schlüsselqualifikationen zu erwerben.Welche Art der Qualifikation auch gewählt wird - die Akademisierung des Berufsstandes schreitet jedenfalls weiter voran.Innerhalb der letzten 15 Jahre stieg der Anteil der Öffentlichkeitsarbeiter mit Hochschulabschluß von 40 auf mittlerweile 80 Prozent. Anders als die Ausbildung an Hochschulen werden die Einrichtungen der beruflichen Weiterbildung im Feld Öffentlichkeitsarbeit / PR hierzulande durchweg als privatwirtschaftliche Akademien oder Institute betrieben.Fast alle arbeiten gewinnorientiert und verlangen entsprechend hohe Kursgebühren.Die Akademie Führung und Kommunikation (AFK) ist das größte Institut auf diesem Gebiet und hat sein Rüstzeug schon an mehr als 8000 PR-Nachwuchskräfte weitergegeben.Die Weiterbildung im Feld Öffentlichkeitsarbeit soll nach den Regeln des Berufsverbandes zukünftig zum Abschluß Kommunikationswirt PR und darauf aufbauend zum Kommunnikationsmanager PR führen. Die Orientierung wird den Interessierten allerdings nicht leicht gemacht.PR findet sich in praktisch allen gesellschaftlichen Bereichen wieder: in Staat und Politik bei Parlamenten, Regierungen und Verwaltungen, Gebietskörperschaften und öffentlichen Einrichtungen.Bei großen, mittleren und kleinen Unternehmen sowie bei Kammern, Verbänden, Berufsorganisationen, Gewerkschaften, Vereinen und Initiativen aller Art.Kaum ein Bereich des öffentlichen Lebens, in dem nicht effektive Öffentlichkeitsarbeit als aktive und langfristig angelegte kommunikative Strategie eingesetzt wird. Von den Berufstätigen in der PR wird erwartet, daß sie teamfähig sind und die Interessen ihres Auftraggebers loyal vertreten.Sie müssen über fundiertes, aktuell gehaltenes PR-Fachwissen verfügen und den Medien Informationen nachprüfbar, wahrheitsgemäß und unentgeltlich (auch ohne versteckte Vorteile) zugänglich machen. Zu den wichtigsten Aufgaben der Öffentlichkeitsarbeit zählt man sechs Bereiche, die gerne in der kernigen Formel AKTION zusammengefaßt werden: Analyse des Sachstands und Meinungsumfeldes, Kontaktaufnahme, Text und kreative Gestaltung der Informationen, Implementierung (Entschei-dung, Ausplanung von Maßnahmen), operative Umsetzung und Nacharbeit. Die wohl bekannteste Ausübungsform ist die des Pressereferenten.Doch darüber hinaus gibt es noch rund ein Dutzend Bezeichnungen für Tätigkeiten innerhalb des Berufsfeldes.So findet sich in PR-Agenturen der Assistent, Junior / Senior-Berater oder Group Head.In Unternehmen und Behörden werden Referenten in den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit, Organisationskommunikation, Investor Relations oder Public Affairs eingesetzt oder als Leiter Gesamtkommunikation beschäftigt. Allen gemein ist das Ziel, mit gut umgesetzter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit die Urteilsfähigkeit zu schärfen, Vertrauen aufzubauen und eine faire Konfliktkommunikation zu sichern.Die PR wird daher gerne auch als Konfliktmanagement zwischen Personen, Organisationen und der Öffentlichkeit betrachtet, was ganz klare Anforderungen an die besondere soziale Kompetenz des Mitarbeiters stellt. Der nächste Juniorenstammtisch der DPRG findet statt am 4.Mai um 19 Uhr 30 im Café Walhalla, Krefelder Straße 6, 10559 Berlin-Moabit.Nähere Auskünfte dazu unter t 70 18 90 55. Weitere Informationen: Deutsche Public Relations-Gesellschaft e.V.(DPRG), St.Augustiner Straße 21, 53225 Bonn, 0228 / 9739287.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben