Zeitung Heute : VW erprobt Antriebskonzepte der Zukunft

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Wenn in den letzten Jahren über Fahrzeuge mit Brennstoffzelle berichtet wurde, dann standen DaimlerChrysler, Ford und auch Opel neben verschiedenen großen Fernost-Marken stets im Mittelpunkt. Volkswagen dagegen schien auf diesem Sektor wenig aktiv zu sein. Doch der äußere Anschein trügt. Denn auch in Wolfsburg genießen Forschungen an alternativen Antrieben und vor allem auch mit Brennstoffzellenfahrzeugen hohe Priorität. So geht man bei Volkswagen davon aus, dass Brennstoffzellen innerhalb der nächsten zwei Jahrzehnte zu einem zukunftsweisenden neuen Antriebskonzept avancieren können. Und deshalb arbeitet man intensiv an der Weiterentwicklung dieser Technik.

Wie weit die Entwicklungen bei Volkswagen gediehen sind, zeigte sich jüngst bei einem Extremtest mit einem Hy.Power genannten Forschungsfahrzeug auf Basis des Bora, das zusammen mit dem Paul-Scherrer-Institut (PSI) entwickelt wurde und mit einer neuen Generation sogenannter PSI-Brennstoffzellen ausgestattet ist. Die verfügen im Unterschied zu den bislang von den meisten Entwicklern eingesetzten Zellen über eine neue Membrantechnik, die diese Zellen erheblich preiswerter macht. Denn obwohl es in den letzten Jahren gelungen ist, die Brennstoffzellen so leicht und so kompakt zu machen, dass sie problemlos in heutigen Serienautos untergebracht werden können, gibt es ein bislang noch ungelöstes Prolem. Das nämlich sind die extrem hohen Kosten dieser Technik, die dezeit eine schon baldige Nutzung durch private Nutzer noch ausschließen. Die jetzt von Volkswagen und PSI entwickelten Brennstoffzellen mit neuer Membrantechnik könnten dieses Problem einer Lösung einen erheblichen Schritt näher bringen.

Ebenfalls an Bord des Bora Hy.Power waren sogenannte Supercaps. Das sind zu größeren Gruppen zusammengeschaltete Hochleistungskondensatoren, die mit dem beim Bremsen gewonnenen Strom aufgeladen werden und diese Ernergie konzentriert abgeben können, wenn vom Elektromotor der Brennstoffzellenautos kurzzeitig Spitzenleistungen gefordet werden. So speichern die Kondensatoren des Bora Hy.Power in insgesamt 280 Supercap-Zellen 360 Wattstunden. Das reicht, den Bora Hy.Power allein mit dem Supercaps über 15 Sekunden mit einer Leistung von 50 kW anzutreiben und ihn von Null auf bis zu 110 km/h zu beschleunigen - ein gewaltiger Puffer also, der Brennstoffzellenautos souveräne Fahrleistungen im Alltagsbetrieb ermöglicht.

Neben den besonders preiswerten PSI-Brennstoffzellen und den Supercaps, die im Bora Hy.Power erprobt wurden, setzte Volkswagen auch einen Bora TDI ein, der mit sogenanntem SunFuel betrieben wurde. Das ist ein synthetisch gewonnener Flüssigtreibstoff, der schwefel- und aromatenfrei ist und besonders niedrige Emissionen ermöglicht. Das geht so weit, dass mit SunFuel betriebene Turbodiesel auch ohne Filter Partikelwerte erreichen, die im Bereich der Werte der Fahrzeuge mit Filtern liegen.

Der Synthetikkraftstoff SunFuel, dessen Zusammensetzung exakt komponiert werden kann, soll künftig aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden, sodass er in der Bilanz kohlendioxidneutral ist. Als besonders umweltfreundlicher Weg zur Herstellung von SunFuel bietet sich dessen Gewinnung über die Nutzung von Sonnenenergie an. Diese Verfahren werden derzeit allerdings erst entwickelt. Deshalb wird SunFuel derzeit aus Erdgas hergestellt.

SunFuel kann nicht nur in Verbrennungsmotoren genutzt werden, sondern bietet sich auch als Energiebasis für Brennstoffzellenfahrzeuge an. Denn über einen Reformer kann aus SunFuel auch Wasserstoff für den Betrieb von Brennstoffzellen hergestellt werden.

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