Zeitung Heute : Warum fliegen Teleskope im All?

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Früher brauchten Astronomen vor allem eins: gutes Wetter. Dann schauten sie durchs Fernrohr. Zwar stört die Erdatmosphäre, gerade so, als würde man durch eine nasse Fensterscheibe schauen. Mit viel Aufwand lässt sich der getrübte Blick aber aufhellen.

Trotzdem wären Astronomen ohne Weltraumteleskope für die meisten kosmischen Geschehnisse blind. Das menschliche Auge ist nur für einen kleinen Anteil der Strahlung empfänglich, die die Himmelskörper aussenden. Die UV-Strahlung der Sonne und anderer Sterne nehmen wir nicht wahr und auch nicht die noch energiereichere Röntgen- und Gammastrahlung. Für das kosmische Feuerwerk, für heiße Kerne von Galaxien oder verschmelzende Neutronensterne, haben wir keinen Sinn.

Der würde uns auf der Erde auch wenig nützen. Die Atmosphäre schirmt die gefährlichen Gamma-, Röntgen- und UV-Strahlen weitestgehend ab. Vom Boden aus sieht man mit Teleskopen nichts. Wir müssen die künstlichen Röntgenaugen außerhalb der Lufthülle aufstellen.

Beim Versuch, sehr weit in den Kosmos zu schauen, gibt es eine weitere Schwierigkeit: Das All dehnt sich aus und mit ihm die Lichtstrahlen, die von entlegenen Objekten kommen. Deshalb wird aus dem ursprünglich sichtbaren Licht entfernter Galaxien langwelligeres, für uns unsichtbares Infrarotlicht.

Auch diese Strahlung lässt die Atmosphäre kaum durch. Daher werden Infrarotsatelliten wie der Nachfolger des „Hubble“-Weltraumteleskops gebaut: das „James Webb“-Teleskop. Damit kann man das Licht der allerersten Sterne des Kosmos sehen. Außerdem kommen Infrarotstrahlen aus kalten Gebieten des Alls zu uns: aus Gaswolken, in denen neue Sterne und Planeten entstehen. Mit Weltraumteleskopen können wir bei der Geburt zuschauen. tdp

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