Zeitung Heute : Warum rufen die Gäste nicht an?

Elisabeth Binder

Immer wieder sonntags fragen Sie

Kürzlich haben Sie empfohlen, bei Geburtstagseinladungen um telefonische Zu- und Absagen zu bitten. Das mache ich schon lange, aber viele Gäste reagieren einfach gar nicht darauf. Manche sagen auch zu, kommen aber nicht. Dann steht man genauso dumm da, als hätte man auf das „UAwg“ gleich ganz verzichtet. Wie kann man sich davor schützen?

William Shakespeare klagt in einem seiner Sonette dem Winterwind, dass er nicht so unfreundlich sein könne wie die Undankbarkeit der Menschen. Eigentlich ist es doch sehr schön, zu einer Party eingeladen zu werden. Die normale Reaktion wäre, sich darüber und darauf zu freuen. Natürlich sollte man auf die Wünsche des Gastgebers eingehen, von dem man sich ja vorstellen kann, dass ihm die Feier Arbeit und Kosten verursacht. Ein kleiner Telefonanruf ist als Belohnung für einen Abend unter netten Menschen mit gutem Essen doch wirklich nicht zu viel verlangt. Aber nicht nur Ihr Schreiben zeigt mir, dass das Selbstverständliche nicht selbstverständlich ist. Deshalb noch mal für alle: Wenn Sie eine Einladung bekommen, versetzen Sie sich in den Gastgeber hinein. Machen Sie sich klar, wie viele Überlegungen und Vorbereitungen damit verbunden sind, eine gelungene Party zu veranstalten. Auch eine rasche, aber höflich formulierte Absage ist besser als gar keine Reaktion.

Unhöflich ist es auch, die Antwort so lange zu verzögern, bis man sie vielleicht ganz vergisst. Oft steckt dahinter die unfeine Überlegung, es könnte sich ja noch was Besseres ergeben. Wenn tatsächlich etwas Zwingendes dazwischenkommt, egal, was es ist: Dann darf man nicht vergessen, eine Zusage so rechtzeitig wie möglich wieder zurückzunehmen.

Wenn Gäste auf das „UAwg“ gar nicht reagieren, kann man sie drei Tage vor der Party ruhig selber noch mal anrufen und nachfragen. Meist steckt kein böser Wille hinter dem Schweigen, sondern schlicht Schlampigkeit.

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