Zeitung Heute : „Warum sind Gullideckel rund?“

Berufsberater Albert Blomert über die beste Strategie für Ihre Prüfung und neue Trends bei Psycho-Tests

-

Herr Blomert, gibt es eine optimale Strategie, um Einstellungstests erfolgreich zu bestehen?

Sie müssen sich ausgiebig vorbereiten und spätestens zwei Tage vor dem Test damit aufhören. Denn man sollte möglichst entspannt in die Prüfung gehen.

Wie kann man sich auf Einstellungstests vorbereiten?

Die Fragen folgen meist bestimmten Mustern, die man trainieren kann. Wer die Fragetypen vorab kennt, lässt sich nicht so leicht aus dem Konzept bringen und spart Zeit bei der Beantwortung. Bei Intelligenztests muss man etwa Bilderreihen ergänzen oder Sprachmuster erkennen. Bei Konzentrationstests kommt es oft vor, dass ich mir Gesichter und Namen merken muss. Zudem muss man sich auf Überraschungsfragen gefasst machen, so genannte Brain Teaser.

Was hat es damit auf sich?

Das sind Fragen, die auf das kreative Potenzial der Bewerber zielen. Sie sind neuerdings sehr beliebt. Zum Beispiel: „Warum sind Gullideckel rund?“ Darauf gibt es keine eindeutige Antwort. Die Prüfer wollen sehen, wie einfallsreich der Bewerber an die Frage herangeht. Eine mögliche Antwort wäre: „Damit man sie rollen kann“.

Spielen reine Wissensfragen bei Einstellungstests überhaupt noch eine Rolle?

In letzter Zeit wieder stärker. Das liegt an den schlechten Schulkenntnissen, die viele Absolventen mitbringen. Die meisten Arbeitgeber, etwa bei Banken und Versicherungen, brauchen Mitarbeiter, die nicht nur intelligente Spezialisten sind, sondern die auch etwas von ihrer Umwelt mitbekommen. Daher gehören allgemeine Wissensfragen zum Standardprogramm.

Worauf kommt es bei Persönlichkeitstests an?

Hier werden dem Bewerber Einschätzungsfragen vorgelegt. Zum Beispiel: „Überlegen Sie zu viel und handeln Sie zu wenig oder umgekehrt?“ oder „Knicken Sie sehr schnell ein oder sind Sie eher etwas zu halsstarrig?“ Kandidaten sollten hier vermeiden, stets eine Sowohl-als-auch-Haltung einzunehmen. Es kommt dem Arbeitgeber auf eine realistische Selbsteinschätzung an. Das heißt natürlich nicht, dass man offensiv alle seine Schwächen preisgeben sollte. Andererseits können auch Kandidaten, die angeblich nie zu spät kommen und nie Fehler machen, negativ auffallen. Psychologen sprechen von der „Tendenz zur sozialen Erwünschtheit“, wenn jemand immer genau das sagt, was der andere vermutlich hören will.

Streber haben also keine Chance?

Das kann man so nicht sagen, denn nicht jeder Arbeitgeber wertet die Tests so genau aus, dass derartiges Verhalten erfasst wird.

Die Fragen stellte Alexander Visser

Albert Blomert ,

Jahrgang 1949, hat Psychologie, Soziologie und Philosophie in Heidelberg und Berlin studiert. Er arbeitet seit 1999 als Berater im Büro für Berufsstrategie in Berlin.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben