Zeitung Heute : Was bei einer professionelle Bewerbung zu beachten ist

Regina C.-Henkel

Zeitung kaufen, Stellenmarkt durchsuchen, Computer anwerfen und Bewerbungsmappe losschicken - wer das Procedere seiner Bewerbung so gestaltet, braucht vor allem eins: viel Glück. Wer sich allerdings auf Fortuna allein nicht verlassen will, sollte sich mit Verstand bewerben. Das macht sogar doppelt Sinn.

Zum einen spart eine strategisch vorbereitete Bewerbung(smappe) Zeit und Geld. Viel wichtiger aber noch: Das Fakten- und Datensammeln, das Suchen nach Argumenten und das Zusammenstellen von Unterlagen ist ein Erkenntnisprozess und damit noch einmal eine hervorragende Gelegenheit, die eigenen Wünsche, Vorstellungen und Fähigkeiten genau zu hinterfragen. Denn letztlich macht es auch nicht glücklich, sich mit einer hervorragenden Präsentation in einen Job zu manövrieren, den man eigentlich gar nicht will.

Kein Zweifel, eine professionelle Bewerbung macht Mühe und Arbeit. Die meisten Jobkandidaten scheinen das allerdings zu verkennen, denn 85 bis 90 Prozent aller Bewerbungsmappen werden von ihren Empfängern schon auf den ersten Blick als ungeeignet aussortiert. Die Mitarbeiter der Personalabteilungen unterstellen ganz einfach: Wer sich nicht einmal bei der optischen Aufbereitung seiner Selbstdarstellung die Mühe macht, gewisse Standards zu erfüllen, wird auch bei den formalen Beurteilungskriterien wenig Pluspunkte sammeln. Bei der wahren Flut von DIN-A-4-Mappen, die nach einem Stelleninserat oder auch unaufgefordert als Blindbewerbung auf ihre Schreibtische kommen, bleibt den Personalern oft gar keine andere Wahl. Sie müssen sich innerhalb weniger Minuten auf "Töpfchen" oder "Kröpfchen" festlegen.

Selbst unter diesem Zeitdruck bleibt immer noch genügend Gelegenheit, sich über die Qualität der eingehenden Post zu wundern. Wenn nur jedes zweite Anschreiben mit einem einfältigen Retortensatz wie "Hiermit bewerbe ich mich auf die von Ihnen ausgeschriebene Stelle" oder "Die von Ihnen ausgeschriebene Stelle reizt mich besonders" beginnt, haben die Personaler noch Glück gehabt. Langweilige Formulierungen, Rechtschreibschwächen, nichtssagende Füllwörter sind gang und gäbe.

In den meisten Fällen katapultieren sich Bewerber aber bereits dadurch ins Aus, dass sie sich nicht an die im Anzeigentext geforderte "Aussagekraft" ihrer Unterlagen halten. Das heißt: Die Unterlagen müssen zumindest vollständig (Anschreiben, Titelblatt, tabellarischer Lebenslauf mit Foto, Zeugniskopien, eventuell Arbeitsproben), ansprechend, formgerecht und für den Leser leicht zu handhaben sein.

Auf die Pflicht folgt die Kür

Die wichtigsten Regularien, an die sich jeder Bewerber halten sollte, können in zahlreichen Ratgebern nachgelesen werden. Doch Vorsicht. Was Arbeitgeber unter einer gelungenen Bewerbung verstehen, unterliegt dem Zeitgeist, ist von Branche zu Branche unterschiedlich und auch von der ausgeschriebenen Aufgabe abhängig. Was hier als unverzichtbarer Standard gilt, kann sich dort als regelrechter "Fettnapf" erweisen und was gestern noch als exotisch gehandelt wurde, ist heute in vielen Unternehmen vielleicht schon völlig normal.

Ein anderer Fall ist das Internet. Die www-Einträge zum Suchbegriff "Bewerbung" sind so zahlreich, dass eine Recherche ohne zuvor genauestens festgezurrten Plan höchstens Verwirrung stiftet. Wer sich verführen lässt, per Maus-Klick eine "PraxisBewerbungsDatei auf Diskette" anzufordern oder gar auf einen "Bewerbungs-Notdienst" im 24-Stunden-Service setzt, wird auf jeden Fall Geld los - Nutzen fraglich. Ernsthafte Consultants in Sachen Bewerbung weisen in ihren Büchern und Seminaren vor allem darauf hin, dass tadellose Unterlagen und die überzeugende Begründung, warum Sie sich gerade bei diesem Unternehmen für diese Stelle bewerben, allenfalls für die Pflicht ausreichend sind. Die Kür ist es, die einen dem Traumjob näherkommen lässt.

Bei der Kür können Pluspunkte gesammelt werden. Indem Sie auf das aufmerksam machen, was Sie besonders gut können, setzen Sie sich vom übrigen Bewerberfeld ab. Wer in seiner Bewerbung dagegen nur das wiederholt, was der Arbeitgeber in seinem Stellenangebot als Minimalforderung formuliert hat, langweilt den Leser - oder verärgert ihn sogar. Und warum wollen Sie den wertvollen Platz auf dem Papier verschenken, statt ihn mutig und selbstbewusst für ihre Selbstdarstellung zu benutzen?

Unbedingt wichtig ist es, sich und die Beschreibung der eigenen Talente auf die Produkte oder die Dienstleistungen, die Kultur und die Geschichte des Unternehmens zu beziehen, in dem man Fuß fassen will. Uta Glaubitz, Buchautorin und Veranstalterin von Berufsfindungsseminaren räumt ein: "Es gibt kein Patentrezept für das Anschreiben. Ihr Brief muss individuell sowohl auf Sie als auch auf die angestrebte Stelle zugeschnitten sein." Gleichwohl hat die Berlinerin eine Empfehlung parat: "Vermitteln Sie vor allem eins: Ich bin der richtige Kandidat." Dann klappt es auch mit der Stelle.Tipps: Jürgen Hesse / Hans Christian Schrader: Das ABC der erfolgreichen Bewerbung, Eichborn, Frankfurt 1998, 14 Mark 90.

Horst H. Siewert: Die besten Bewerbungsbriefe, Moderne industrie, Landsberg 1999, 29 Mark 80.

Uta Glaubitz: Die häufigsten Bewerbungsfehler - und wie Sie sie vermeiden, Falken, Niedernhausen 1999, 19 Mark 90.

Internetadressen

www.bewerben.de ; www.bewerberinfo.de ; www.profibewerbung.de ; www.jobwinner.de .

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben