Zeitung Heute : Was das Baby schützt

DR. WEWETZER

Hartmut Wewetzer

DR. WEWETZER

Ohne Vorwarnung trifft es das Kind. Aus heiterem Himmel. Lautlos. 2002 starben hierzulande 429 Babys am plötzlichen Kindstod, der Haupttodesursache im ersten Lebensjahr. Jedes 2000. Baby – das ist die schlechte Nachricht.

Aber es gibt auch gute Neuigkeiten. Man weiß inzwischen ziemlich genau, welche Faktoren das Risiko für einen plötzlichen Kindstod erhöhen. Seit Eltern darüber informiert werden, konnten viele Kinder gerettet werden. In den letzten 15 Jahren ist die Zahl der Todesfälle um mehr als die Hälfte zurückgegangen. Aufklärung kann also Leben erhalten.

Was aber sind die Risikofaktoren? Eine große europäische Studie hat nun im wesentlichen bestätigt, was schon bekannt war – und zugleich einige neue Erkenntnisse hinzugefügt. Insgesamt 745 Fälle an plötzlichem Kindstod untersuchte ein internationales Forscherteam. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse nun im Fachblatt „Lancet“.

„Babys sollten auf dem Rücken schlafen“, rät der Kinderarzt Gerhard Jorch von der Universität Magdeburg, einer der beteiligten Wissenschaftler. „Riskant ist dagegen die Bauchlage oder die Seitenlage. Die Seitenlage ist zwar an sich kein Problem – aber da sie nicht stabil ist, kann das Baby auf den Bauch rollen. Und dann kann es gefährlich werden.“ Problem Nummer zwei: das Rauchen. Frauen, die rauchen, sollten nicht zusammen mit dem Baby in einem Bett schlafen, vor allem nicht in den ersten Wochen. Dagegen zeigte die Studie, dass Kinder von drei Monaten an durchaus bei den Eltern im Bett schlummern dürfen – sofern sie Nichtraucher sind.

Und noch etwas fanden die Wissenschaftler heraus: Es ist gut für das Baby, wenn es im eigenen Bettchen schläft – aber im Zimmer der Eltern. „Wir schätzen, dass man das Risiko für den Kindstod auf diese Weise noch einmal um ein Drittel senken kann“, sagt Jorch.

Als Ursache für den Kindstod sind viele Faktoren im Gespräch. Herzprobleme, mangelnde Hirnreifung, Bakterien, Viren und manches andere. Aber Jorch ist skeptisch. „Ich glaube, dass nichts Geheimnisvolles dahinter steckt. Der Säugling bringt sich in eine Zwangslange, in der es zu einem Sauerstoffmangel kommt. Doch ist er noch zu klein, um sich selbstständig daraus zu befreien. Das ist das Problem.“

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