WAS EINE EHEMALIGE REKRUTIN AUF DER GORCH FOCK SAGT : „Systematisches Schleifen“

Eine ehemalige Rekrutin der Gorch Fock schildert die Zustände an Bord des Segelschulschiffs der Deutschen Marine. In ihrer Ausbildungszeit war im November eine junge Kadettin aus der Takelage in den Tod gestürzt.

„Wenn ich in dem Masten rumturnen musste oder

nachts auf Wache stand, dachte ich oft nur: Hier bist Du von Gott und der Welt verlassen ... Die Zustände sind – sowohl was das Schiff angeht als auch in der Führung – vorsintflutlich ... Privatsphäre gibt es nicht. Besonders als Frau hat man das Gefühl, sich aufgeben zu müssen ... Da wird gebrüllt, da wird gedrillt, das ist systematisches Schleifen wie in einem schlechten Film ... Und gebrüllt wird eigentlich immer ... Der Druck war ständig da ... Auf Ängste oder Unsicherheiten wird keine Rücksicht genommen. Da ist es egal, ob du müde bist oder fertig oder keine Kraft mehr hast. Wenn Aufentern befohlen ist, dann musst du in die Takelage. Alles andere ist Gehorsamsverweigerung ... Schlafmangel war für mich, aber auch andere Kameraden das größte Problem ... Wir sind als Frauen in einer Männerdomäne natürlich in einer ganz besonderen Situation. Es ist ein offenes Geheimnis, dass es auf Flottenpraktika und auf der Gorch Fock zum Teil sehr offenherzig zugeht. Besonders die Stammbesatzung rechnet sich bei den weiblichen Offizieranwärtern, die ja meist jung und ledig sind und nur drei Monate an Bord bleiben, gute Chancen aus ... Manche Frauen haben das auch als bedrängend empfunden. Nicht umsonst ist die Gorch Fock in Offizieranwärterkreisen auch als ,größter schwimmender Puff Deutschlands’ verschrien ... Viele weinen sich in den Schlaf.“ dapd

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