Zeitung Heute : Was eine geheime Imagestudie über deutsche Fernsehsender verrät

Michael Durwen

Bei vielen Fernsehsendern läuft sie als geheime Verschlusssache. Mit gutem Grund: Die gemeinsame interne Jugendstudie, die im letzten Jahr im Auftrag von ARD und ZDF entstand, fiel für manch eine der großen TV-Anstalten wenig schmeichelhaft aus. Auf die Frage, mit welcher Automarke sie die deutschen Sender vergleichen würden, gaben die befragten bis 24-jährigen Jugendlichen unerwartete Antworten.

Danach darf sich Pro 7 über den Vergleich mit Edelkarossen der Marken Ferrari und Porsche freuen, RTL kommt als Manta mit Fuchsschwanz daher und das ZDF wie ein spießiges Mittelklasseauto, etwa einem Opel. Ganz bitter endete die Befragung für den Hauptstadtsender Sat 1. Sein Programm erinnerte die Jugendlichen am ehesten noch an Trabbies oder Wartburgs, etwas besser erging es der ARD. Jüngere sahen in ihr einen Ford, ältere Jugendliche werteten das Erste wegen der gediegenen Informationskompetenz zum E-Klasse-Benz auf. So richtig freuen konnte man sich auch beim Bayerischen Rundfunk. "Ist irgendwie ein weiß blaues Schnauferl, das in der Gegend rumsteht", urteilten die Jugendlichen, die den Medienforschern auch noch weitere interessante Einblicke in ihr Konsumverhalten verschafften. Die Werbeunterbrechungen werden von den meisten nicht als störend empfunden, sondern als normaler Bestandteil des täglichen Lebens. Eine "Werbefee" zur Ausblendung der Werbung hätte bei ihnen keine Chance. Eher im Gegenteil: Sender ohne Werbung können eigentlich kein gescheites Programm haben, lautet die Mehrheitsmeinung. Insgesamt landeten die öffentlich-rechtlichen Sender auf den hinteren Plätzen, die ARD konnte lediglich mir ihren Vorabend-Soaps und jugendlichen Moderatoren wie Cherno Jobatey punkten.

In der ARD-Programmdirektion will man die Studie nicht überbewertet wissen. Es handele sich nur "um eine qualitative, keinesfalls eine repräsentative Umfrage" heißt es. Trotzdem wolle man die Erkenntnisse in die künftige Programmplanung einfließen lassen. "Unsere Stärke ist nun einmal die Informationskompetenz. Doch dafür interessieren sich die Jugendlichen erst im fortgeschrittenen Alter. Komplett umkrempeln werden wir unser Programm deswegen noch lange nicht."

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