Zeitung Heute : Was halten Mieter von ihren Vermietern - die Ergebnisse

Andreas Lohse

"Die städtischen Wohnungsunternehmen sind besser als ihr Ruf", so jedenfalls resümiert der Berliner Mieterverein (BMV) eine Befragung seiner Mitglieder, die er am Mittwoch der Öffentlichkeit vorstellte. Insgesamt wertete man rund 2000 Fragebögen aus. Demzufolge sind 52 Prozent aller befragten Mieter von Genossenschaften und städtischen Wohnungsbaugesellschaften mit ihren Vermietern "zufrieden" - sowohl im Gesamturteil als auch hinsichtlich der Bewertung einzelner Dienstleistungsbereiche. Bewertungsmaßstäbe waren dabei die Leistungen und das Engagement der Vermieter, unter anderem in Sachen Mängelbeseitigung, Instandhaltung und Hauspflege, aber auch ihre Umgangsformen.

Das Miteinander in der Hauptstadt sei insgesamt "nicht eben rosig", sagt BMV-Geschäftsführer Hartmann Vetter. Durchschnittlich seien die Befragten mit ihren Vermietern nur "zufrieden bis eher unzufrieden". Vor allem die privaten Wohnungsunternehmen, Eigentümergemeinschaften sowie die privaten Hausbesitzer zogen das Ergebnis in den Keller. Sie wurden von ihren Mietern mit "weniger zufrieden" (private Unternehmen) bis "sehr unzufrieden" (Eigentümergemeinschaften) bewertet.

Während ein Drittel der privaten Einzeleigentümer, die nicht im Haus wohnen und es auch nicht selbst verwalten, in der Mietergunst noch mit "zufrieden" abschnitten (36 Prozent), ähnlich viel waren im übrigen "eher unzufrieden", bezeichneten sich 39 Prozent der Mieter bei Privateigentümern, die ihren Bestand selbst verwalten und keine der Wohnungen im Haus für sich nutzen, als "eher unzufrieden". Insgesamt tendiert das Wohlwollen für private Vermieter aus Mietersicht nach unten.

Betrachtet man die Leistungen und das Engagement der Vermieter in Teilbereichen, wird dieses Bild bestätigt. "Im wichtigen Bereich der Mängelbeseitigung schneiden die Städtischen am besten ab", resümiert Armin Hentschel, Geschäftsführer des Instituts für Soziale Stadtentwicklung, das die Befragung im Auftrag des BMV durchführte. Während im Durchschnitt aller Vermieter lediglich knapp 23 Prozent der Mieter hier die Note "Gut" vergeben, sind es bei den Genossenschaften 35 Prozent und bei den Städtischen noch knapp 32 Prozent. Ein überdurchschnittlicher Anteil von "schlechter" Bewertung entfällt hier auf die privaten Vermieter, die nicht selbst im Haus wohnen.

Defizitärer Bereich Treppenhaus

Ein ähnliches Bild ergibt sich hinsichtlich der "Instandhaltung" des Gebäudes: "Gute" Genossen und Städtische stehen hier den eher "schlechten" Leistungen von Einzeleigentümern gegenüber. Bei der Frage nach der "Hauspflege" schneiden die Genossenschaften ebenfalls gut ab. Die Bewertung der anderen Vermietertypen weicht davon nicht so sehr ab wie in anderen Punkten. Als defizitäre Gebäudebereiche wurden oft das Treppenhaus sowie die Aufgänge genannt. Kritisch seien vor allem "fehlende Sauberkeit, mangelhafte Wartung und Pflege".

Bei der "Vermietung" unter dem Gesichtspunkt der Rücksichtnahme auf die Hausgemeinschaft konnten die Städtischen ihr ansonsten positives Bild nicht halten und lagen unter dem Durchschnitt. Hinsichtlich der "Erreichbarkeit der Verwaltung bei Problemen" holten sie aber wieder auf und lagen mit der "guten" Bewertung von knapp 33 Prozent über dem Durchschnitt (28 Prozent). Genossenschaften waren offenbar am besten erreichbar, so dass 45 Prozent der Mieter dies mit "gut" honorierten. Private Unternehmen und Einzeleigentümer schnitten in diesem Punkt immerhin noch "zufriedenstellend" ab.

Bei der Frage nach dem "Entgegenkommen bei Meinungsverschiedenheiten über die Höhe der Miet- und Nebenkosten" sank der Auswertung zufolge aus Kundensicht das positive Image der Genossenschaften. "Dies mag seinen Grund darin haben", heißt es beim BMV, "dass ein insgesamt niedriges Mietniveau und innergenossenschaftliche Demokratie wenig Spielraum für ökonomische Aushandlungsprozesse lassen". Die privaten Einzeleigentümer ohne Fremdverwaltung und Wohnung im Haus schnitten hier besser ab als der Durchschnitt.

Interessant ist noch die Frage nach dem persönlichen Auftreten von Vermietern und Verwaltern: Fast ein Drittel der Befragten bewerteten dies als "sehr problematisch"; bei privaten Einzeleigentümern immerhin zwischen 33 und 40 Prozent. Besser benehmen sich offenbar die städtischen Wohnungsunternehmen. Nur 11,5 Prozent der Mieter zeigten sich hier wenig angetan. Letztlich werfe gerade dieser Punkt "ein schlechtes Licht auf die Berliner Wohnlandschaft", so Hartmann Vetter. Mit "moderner Dienstleistungsphilosophie hat das wenig zu tun". Der BMV-Geschäftsführer ermahnt zur Besserung: "Freundlichkeit kostet schließlich kein Geld." Jenen Vermieter, der per se und Berlinweit schlecht abschneidet, kann man in den Unterlagen im Übrigen nicht finden: Alle Angaben wurden anonymisiert, so dass sich eine lokale Verteilung "gut - weniger gut" nicht herauslesen lässt.

Als Fazit der Mieterbefragung warnt man den Berliner Senat davor, die Privatisierung städtischer Gesellschaften so massiv voran zu treiben wie bisher. Das sei "kurzsichtig und sozial blind". Der Senat müsse seine "Ausverkaufspolitik stoppen und wieder auf den Boden der wohnungspolitischen Inhalte zurückkehren", so Vetter. Richtig spannend wäre jetzt eine Umfrage bei der anderen Seite: Wie gut sind Berlins Mieter?Ursprünglich war an dieser Stelle ein Text zum Thema Mietrückstand angekündigt. Allerdings teilte uns zwischenzeitlich der Berliner Mieterverein die Ergebnisse seiner Mieterbefragung mit, die wir Ihnen nicht vorenthalten wollten. Den für diese Woche angekündigten Artikel, lesen Sie am kommenden Sonnabend. Wir hoffen, auch in Ihrem Interesse entschieden zu haben.

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