Zeitung Heute : Was hat die Woche gebracht…

Der Tagesspiegel

. . . für Frauen

Schlechte Aussicht für Frühlingsgefühle: Forscher melden, dass jeder zweite deutsche Mann frühjahrsmüde ist. Das Gute an der Nachricht: Vielleicht sind die Langschläfer nicht so schlagfertig, und die häusliche Gewalt gegen Frauen nimmt in dieser Jahreszeit ab. In Berlin wird immer noch jede dritte Frau von ihrem Mann geschlagen. Aber jetzt kommt Hilfe von Frauensenator Gysi. 150 000 Euro will er für eine Interventionszentrale zur Verfügung stellen und prügelnden Männern überall in der Hauptstadt Hausverbot erteilen. Wenig überzeugend war dagegen Gysis Besuch von Edelbordellen am Frauentag. Frauenhäuser und Frauen in Not sind dem Medienliebling wohl nicht telegen genug.

. . . für Männer

Sie müssen auf der Hut sein, überall drängen sich die Frauen in den Vordergrund. Die Fernsehfrauen sind schon nicht mehr aufzuhalten. Zielstrebig verlassen sie die bunte Ecke und erobern die Politik. Maybrit Illner hatte am Donnerstag ihre 100. Sendung. Sandra Maischberger, Sabine Christiansen, und neuerdings Gabi Bauer gehören zu den begehrtesten Fernsehprofis. Aber keine Sorge: ein Biotop wird den Männern erhalten bleiben: die des Wetterfrosches. Kassandrahaftes Orakeln und das Überbringen schlechter himmlischer Nachrichten war lange genug Frauensache.

. . . für Sparer

Die Zeiten, als die Deutschen ein Volk von Sparern waren, sind vorbei. Geld zu verprassen macht ja auch viel mehr Spaß. Ärger hat sich Berlins Finanzsenator Sarrazin eingehandelt, obwohl er nur das Offensichtliche sagt: Einem nackten Mann kann man nicht in die Tasche greifen. Zehn Prozent will Sarrazin in der Verwaltung einsparen. Und prompt drehen Gewerkschafter und manche Medien ihm das Wort im Munde um und verbreiten, er wolle die Gehälter der Stadtbediensteten um zehn Prozent kürzen. Das war aber nur als letzter Ausweg gedacht. So gesprächsbereit wie sich die Interessenvertreter aber momentan zeigen, könnte das letzte Mittel am Ende das notwendige werden.

. . . für Verschwender

Für die gibt es auf der Cebit Handys, mit denen man fotografieren kann, auf der ITB Alaska-Floßfahrten und überall neue Kundenrechte. Denn mit dem neuen Verbraucherinformationsgesetz braucht niemand mehr die Katze im Sack zu kaufen. Damit das Kaufen bald wieder ganz viel Spaß macht, beteuerte nach Alan Greenspan auch Kanzler Schröder, dass der Konjunkturaufschwung nicht mehr zu bremsen sei. So viel Beschwörung war schon lange nicht mehr. Also ran an die Regale!

. . . für Westernfans

Die brauchen nicht auf den nächstenStreifen im Kinos zu warten. High Noon gibt es real in Nahost. Scharon und Arafat: Zwei einsame Männer im finalen Duell. Der Kenner weiß, dass bei so viel Hass und Rachegelüsten kein Vermittlungsversuch von Dritten hilft und dass die Rivalen nicht über Nacht klüger werden. Da hilft nur: Beide müssen von der politischen Bildfläche verschwinden oder mit Hilfe einer Staatsgrenze getrennt werden. Ob US-Vermittler Anthony Zinni ins Kino geht?

. . . für Krimi-Fans

Auch die kommen auf ihre Kosten – Dank der Kölner Genossen. Das „Beatmen“ der politischen Landschaft könnte Wort des Jahres werden. Doch nicht nur ein paar Kölner Pappnasen und Politiker haben gelogen und schmutzige Tricksereien angewendet. Tausende Ärzte rechnen falsch ab und lassen sich von Pharmakonzernen kaufen, und Schwarzarbeit scheint zum deutschen Volkssport zu werden. Friedrich Schiller betrachtete die Schaubühne als moralische Anstalt. Wird für uns der „Tatort“ zum unmoralischen Angebot?Claudia Keller

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