WAS ICH LIEBE, WAS ICH HASSE : Lust auf Theater

23.02.2012 00:00 Uhr
FOTO:  MIKE WOLFF
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Die Spielzeit-Kolumne von Rüdiger Schaper, Leiter der Kulturredaktion des Tagesspiegels.

Weil die bittere Kälte vorüber ist. Weil es ein wenig schon nach Frühling riecht. Weil Berlinale war. Weil man gerade in München oder Wien gewesen ist. Weil Frank Castorf Intendant bleibt. Weil man sich über die bizarre Theatertreffen-Auswahl freut ...

Ich frage mich oft, was die Lust auf Theater weckt – oder tötet. Wovon es abhängt, dass man sich freudiger, offener, angeregter, eben lustvoller den Schauspielhäusern nähert. Oder dass man sich müde, genervt, mit einem Wort: lustlos auf seinen Platz im Zuschauerraum schleppt, in die ewige Finsternis. Letztlich ist es ein Gemisch von subjektiven und objektiven Geschichten. Ob und was man vorher gegessen und getrunken hat, oder nicht.

Wie der Tag war. Über wen man sich geärgert hat. Wen man unterwegs trifft. Wie man die Nacht davor geschlafen hat, und mit wem, oder nicht.

Der Schriftsteller Walter Serner hat in den Zwanzigerjahren eine Liste erstellt, wie die Vorbereitungen auf einen garantiert gelungenen Theaterabend auszusehen hätten. „Letzte Lockerung: Ein Handbrevier für Hochstapler und solche, die es werden wollen“, nannte der Dadaist sein Werk, das sich mit Frauen, Hotels und Bürgerschreckrechten beschäftigt. Sehr empfehlenswerte Lektüre, ein Klassiker. Nach Serners Methode käme man aber nie in einem Foyer an, bliebe im Restaurant hängen oder schon zuhause vor dem Spiegel.

Da erzählt mir mein Freund und Kollege Peter von seiner neuen Leidenschaft: Oper. Er geht jetzt ständig in die Deutsche, die Komische, die Staatsoper. Ich bin sicher, dass diese plötzliche Opernliebe auf einer gewissen Theaterabneigung beruht. Na gut, Bühne ist Bühne. Aber es hat mir doch einen Stich versetzt, weil er durchblicken ließ, dass mir die Sensibilität in musikalischen Dingen abgehe. Ich habe nicht lange überlegt und geantwortet: Ja, auch ich bin frisch verliebt, habe wieder zu meiner alten Obsession zurückgefunden und fühle mich rundum glücklich – beim Fußball. Eine harte Probe für eine Freundschaft. Ich gehe auch gern in die Oper, aber Peter im Stadion? Peter in Schwarz-Gelb? Wir werden das am Freitag im Deutschen Theater besprechen. Im „Kirschgarten“. Große Stimmen, großer Kampf. Tschechow steht über allem. Steht unter der Liebe, wie eine seine Frauenfiguren sagt.

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