Zeitung Heute : Was immun macht

Dr. Wewetzer fahndet nach guten Nachrichten in der Medizin Heute: Rezepte für die Körperabwehr

Hartmut Wewetzer

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Von heißer Hühnersuppe bis Sauna – die meisten Menschen haben irgendein Hausmittel parat, das die Körperabwehr auf Trab bringen soll. Wirklich bewiesen ist aber nur wenig. Wenn man sich vor Augen hält, wie kompliziert unser Immunsystem ist, ist das auch nicht weiter verwunderlich. Zudem muss man bedenken, dass ein superaggressives genauso schädlich sein kann wie ein zu schwaches Immunsystem. Auf die gesunde Mitte kommt es an. Ein Universalrezept, um sie zu erreichen, gibt es sicher nicht. Doch wer ein paar Grundregeln beherzigt, kann seiner Gesundheit durchaus Gutes tun.

„Schlechter“ Stress – Überlastung bei der Arbeit, Streit mit dem Partner, körperliche Überforderung – ist nicht gut fürs Immunsystem. „Guter“ Stress hingegen schon: viel Bewegung, zum Beispiel drei bis vier Mal in der Woche ein halbstündiger Spaziergang. Auch Sex tut Körper und Seele gut. Aber es muss nicht immer gleich körperliche Liebe sein. Auch soziale Unterstützung, verknüpft mit den berühmten Streicheleinheiten, hält uns gesund: Wen man gern hat, den sollte man auch mal in den Arm nehmen. Menschliche Wärme lässt uns länger leben. Genügend Schlaf gehört ebenfalls zur Pflege des Immunsystems, und selbst ein Glas Wein oder Bier ist erlaubt. Im Übermaß schwächt Alkohol jedoch die Körperabwehr, und das gilt auch für den Sport.

Unübersehbar ist die Zahl der Nahrungsmittel, Vitaminkonzentrate und Kräuterelixiere, die angeblich dem Immunsystem Kraft verleihen, oft aber lediglich die Kassen der Hersteller klingeln lassen. Zum Beispiel Vitamin C: „Das ist meistens für die Toilette“, sagt Reinhold Schmidt, Immunforscher an der Medizinischen Hochschule Hannover und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. Denn der Körper scheidet überflüssiges Vitamin C einfach aus. Schmidts Rat: „Vitamine ja – aber in Form von frischem Obst und Gemüse.“

Auch Impfungen stärken das Immunsystem, wappnen sie uns doch gegen Krankheitserreger. Ihre Bedeutung wird noch immer unterschätzt, sagt Schmidt, und nennt als Beispiel die Grippeimpfung und die Impfung gegen Pneumokokken. Das sind Erreger von Atemwegsinfektionen, die sich nicht selten auf eine bereits bestehende Infektion „draufsetzen“. Ein Schutz ist deshalb nicht zuletzt für Menschen mit Nebenhöhlenentzündungen sinnvoll, rät der Mediziner.

Impfungen machen die Abwehrzellen „scharf“ gegen einen Krankheitskeim. Ähnlich einer Hundemeute, die anhand eines Kleidungsstücks die Fährte eines Gesuchten aufnimmt. Viel simpler ist eine andere Maßnahme, die in dieser krankheitsträchtigen Jahreszeit nicht unterschätzt werden sollte – häufiges Händewaschen. Es verringert die Zahl der Krankheitskeime, mit denen sich unser Immunsystem auseinander setzen muss.

Und wenn alles nichts hilft, setzen Sie sich einfach den Kopfhörer auf und hören Ihre Lieblingsmusik. Denn auch Musik stärkt nach einer amerikanischen Untersuchung das Immunsystem. Selten war es angenehmer, gesund zu bleiben!

Unser Kolumnist leitet das Wissenschaftsressort des Tagesspiegel. Haben Sie eine Frage zu seiner guten Nachricht?

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