Zeitung Heute : Was ist eigentlich ein Trabant?: Ein kleines Auto mit Kleb-Stoff-Haut

David Ensikat

Vor gar nicht so langer Zeit gab es ein kleines Land, durch das sehr viele ziemlich komische Autos fuhren. Sie waren klein, sie waren laut, und die Leute sagten "Trabbi" oder "Rennpappe" dazu. Eigentlich hießen die Autos "Trabant". Wenn man aber gegen das Auto klopfte, dann klang das nicht wie bei richtigen Autos nach Blech, sondern nach Pappe - deshalb sagte man "Rennpappe".

Das kleine Land war nicht sehr reich, deshalb wurden hier so kleine Autos gebaut, deren Außenhaut nicht aus teurem Blech war. Eigentlich war sie auch nicht aus Pappe, sondern aus kleingestampften, über- und nebeneinandergeklebten Stoffstückchen. Das war billiger. Auch der Motor war sehr einfach. So einfach, dass viele Leute ihren Trabant selbst reparieren konnten, wenn er nicht mehr fuhr. Das war gut so, weil es in dem kleinen Land zu wenig Werkstätten gab.

Man kann nicht sagen, dass der Trabant ein gutes Auto war: Für eine Familie mit mehreren Kindern war er zu klein, er stank ganz fürchterlich aus dem Auspuff, er fuhr nicht besonders schnell, und mit seiner zerbrechlichen Kleb-Stoff-Haut war er auch nicht sehr sicher. Da es aber schwierig und auch teuer war, andere Autos zu bekommen, wollten besonders viele Leute einen "Trabbi" haben. So viele, dass das kleine Land gar nicht hinterher kam, genug von den kleinen Stinkern zu bauen. Deshalb mussten die Leute manchmal zehn Jahre warten, bis sie ihren Trabant kaufen konnten. Man kann sich das heute gar nicht mehr vorstellen, aber das war wirklich so. Fragt mal eure Eltern. Wenn sie in dem kleinen Land, das übrigens DDR hieß, gewohnt haben, dann können sie euch das genauer erzählen.

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