Zeitung Heute : Was sich auszahlt

Ob Managerseminar oder Volkshochschulkurs – Fortbildungen gibt es für jeden Geldbeutel. Wieviel man für ein Seminar ausgeben sollte, hängt vor allem von den eigenen Ansprüchen und Zielen ab

Judith Jenner

Ob eine Bildungsreise in den Orient, eine Weiterbildung für die neueste Firmensoftware oder ein Sprachkurs an der Volkshochschule: Je nach Anbieter, Ort und Dauer variieren die Preise auf dem Bildungsmarkt enorm. Eine Höchstgrenze oder einen Mindestbetrag für berufliche Weiterbildung gibt es nicht.

„Das hängt stark vom individuellen Anspruch ab“, sagt Günter Walden vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). „Wer sich weiterbilden möchte, sollte zuerst klären, welche persönlichen Voraussetzungen er mitbringt und was er erreichen will.“ Für einen Manager, der verhandlungssicher Englisch sprechen muss, ist ein anderer Kurs sinnvoll als für jemanden, der sich auf eine Urlaubsreise vorbereitet. Zeitstruktur, Kurszusammensetzung und die Auswahl der Dozenten bestimmen letztlich auch den Preis.

502 Euro gibt jeder erwerbsnahe Deutsche durchschnittlich im Jahr für seine berufliche Weiterbildung aus. Eventuelle Erstattungen sind dabei bereits berücksichtigt. Das geht aus einer Studie des BIBB hervor. Drei Viertel des Betrages sind direkt mit der Weiterbildung verknüpft. Sie decken Teilnahmegebühren, Arbeitsmaterialien und Fahrtkosten ab. Ein Viertel entsteht durch indirekte Aufwendungen, zum Beispiel durch Arbeitsausfall. Etwa 68 Prozent der Befragten nehmen Angebote zur beruflichen Weiterbildung wahr. Dabei gibt es Unterschiede in Bezug auf Geschlecht und Bildung: Männer nehmen häufiger als Frauen und gut ausgebildete eher als ungelernte Beschäftigte an beruflicher Weiterbildung teil.

Das BIBB empfiehlt, genau die Kosten zu analysieren. Wie viel kostet das Lehrgangs- oder Studienmaterial? Fallen Prüfungsgebühren an? Ist besondere Berufsbekleidung nötig? Wie hoch sind Fahrt- und Übernachtungskosten? Sind die Gebühren als Ratenzahlung oder als Gesamtbetrag zu entrichten?

Außerdem sollten Fördermöglichkeiten geprüft werden. „In erster Linie sind die Arbeitgeber für die Weiterbildung zuständig“, sagt Angelika Müller von der Bundesagentur für Arbeit. Selbst bei drohender Arbeitslosigkeit sei die Chance, eine Weiterbildung durch die Arbeitsagentur finanziert zu bekommen, gering. „Und auch wer arbeitslos gemeldet ist, hat keinen Rechtsanspruch auf einen Bildungsgutschein“, so Müller. In einem Beratungsgespräch mit dem zuständigen Vermittler sollten die Motive geklärt werden. „Jede Agentur hat eigene Richtlinien für die Vergabe von Maßnahmen. Sie richten sich nach den lokalen Bedürfnissen auf dem Arbeitsmarkt.“

Mit einem Bildungsgutschein muss sich der Arbeitslose selbst einen Weiterbildungsträger suchen. In der KURS-Datenbank auf der Homepage der Arbeitsagentur sind die Träger vermerkt, die den Bildungsgutschein akzeptieren. „Je höher spezialisiert und je teurer eine Ausbildung ist, desto mobiler muss der Arbeitnehmer anschließend sein“, sagt Angelika Müller.

Sollte man die Voraussetzungen für eine Förderung durch das Arbeitsamt nicht erfüllen, lohnt es sich, eine Finanzierung nach dem Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz ( so genanntes „Meister-BAföG“) oder über ein Darlehen zu prüfen. Auch sollte man mit dem Arbeitgeber über eine mögliche Beteiligung sprechen. In Berlin, Brandenburg und vielen anderen Bundesländern haben Arbeitnehmer außerdem Anspruch auf Bildungsurlaub.

Zunehmend interessant für die berufliche Weiterbildung ist das Thema E-Learning. Damit spart man Reise- und Übernachtungskosten und kann zeitlich flexibel lernen. Laut einer Umfrage der Göttinger unicmind.com AG unter 350 Unternehmen erhoffen sich 70 Prozent der Arbeitgeber davon eine Kostenersparnis.

Die Stiftung Warentest hat verschiedene Weiterbildungsangebote getestet. „Für ein angenehmes Ambiente zahlt man oft drauf“, sagt Walther Kösters, Leiter der Abteilung Weiterbildung. Ein VHS-Kurs in den Klassenräumen einer Grundschule ist günstiger als bei einem privaten Anbieter. „Dafür kann dieser erhöhte Service für die Lernatmosphäre förderlich sein.“ Als Kostenfalle erweisen sich gerade bei Weiterbildungen im Fitness- und Wellnessbereich die Arbeitsmaterialien. Bis zu 1000 Euro musste man in den von Stiftung Warentest geprüften Kursen für Bücher, Ampullen oder Farbtücher bezahlen. „Oft gibt es diese Materialien dann nur beim Kursanbieter zu kaufen.“

Kösters empfiehlt, den Kurspreis auf Stunden umzurechnen. „Manche Abendkurse werden unnötig aufgebläht, während kompakte Managerseminare verkürzt werden und das angekündigte Wissenspensum nicht bewältigt werden kann.“ Außerdem lohnt ein Blick in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Bei lockeren Stornoregelungen kann man davon ausgehen, dass die entstehenden Kosten auf die anderen Teilnehmer umgelegt werden.

Auf der Internetseite des BIBB (www.bibb.de) gibt es die „Checkliste Berufliche Weiterbildung“ zum Herunterladen. Sie erhält auch Hinweise zur Finanzierung. Die Weiterbildungstests der Stiftung Warentest findet man im Internet unter www.weiterbildungstests.de

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