Zeitung Heute : Was tun, wenn der Headhunter klingelt?

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Erst seit Kurzem ist juristisch geklärt : Grundsätzlich darf ein Arbeitnehmer den Anruf eines Headhunters auch am Arbeitsplatz entgegennehmen, mit dem der ihn für eine freie Stelle abwerben möchte. Das entschied der Bundesgerichtshof (BGH, 4. März 2004, Az. I ZR 221/01). Gleichzeitig machte das Gericht aber auch gewisse Auflagen . So darf der Anruf nur dazu genutzt werden, das Interesse des Angerufenen festzustellen, die Stelle kurz zu umschreiben und gebenenfalls eine Fortsetzung des Gesprächs außerhalb des Arbeitsplatzes zu verabreden. Das Gericht bestätigte mit der Entscheidung den Grundsatz, dass das Abwerben fremder Mitarbeiter als Teil des freien Wettbewerbs grundsätzlich erlaubt ist und nur bei Einsatz unlauterer Mittel oder Verfolgung unlauterer Zwecke gegen das Wettbewerbsrecht verstößt. Es macht juristisch gesehen auch keinen Unterschied, ob die Zielperson auf ihrer Festnetznummer im Büro oder auf dem Handy angerufen wird. Denn da der anrufende Personalberater nicht wisse, wo genau er seinen Gesprächspartner erwische, nehme er zumindest billigend in Kauf, dass dieser mit dienstlichen Angelegenheiten beschäftigt sei. Auf jeden Fall bediene er sich des Kommunikationssystems des Unternehmens für eine Tätigkeit, die gegen dessen Interessen gerichtet sei (BGH, 9. Februar 2006, Az. I ZR 73/02). jul

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