Zeitung Heute : Was wird? Wo tut es weh?

Michael Burucker

Farbe bekennen. ARD/Was nun? ZDF. Ärmel aufkrempeln, zupacken: Unwissentlich hat der Barde Franz Josef Degenhardt bereits vor Jahrzehnten den neu-dynamischen CDU-Fraktionsvorsitzenden beschrieben. Friedrich Merz ist - mehr Atheist als Christ - bereit zum Vatermord und dazu, seine Partei völlig umzukrempeln. Alte Interview-Techniken verfangen da nicht mehr. Ob die forsche Marion von Haaren, der Bayer Gottlieb, der sanftmütige Thomas Bellut oder der scheidende Grandseigneur des Polit-Interviews, Klaus Bresser: Sie alle sind verstockte Antwortgeber gewohnt. Merz antwortet dagegen mit gleichsam ausgebreiteten Armen. Er scheint, wie es sich für einen, dem man Löcher in den Bauch fragt, gehört, den Fragen immer einen Schritt voraus. Nicht, dass er mehr zu sagen hätte als seine Vorgänger, aber er kann schneller, wort- und gestenreicher antworten. Einwanderungsquote oder CDU-Vorsitz - niemand wurde da bei Friedrich Merz wirklich schlauer.

Programmatische Hinweise hätte sich der Zuschauer da schon gewünscht. Dass die nicht kamen, war nicht unbedingt dem jungen Talent anzulasten. Die TV-Größen fanden es wohl spannender, sich Abfuhren im aktuellen Personenkarussell einzuhandeln als bei politischen Themen nachzuhaken. Friedrich Merz konnte in beiden Fragerunden seine konservative Haltung telegen und doch unkokett verkaufen. Ihm fehlten nur die Frager, die dort nachbohren, wo es wehtut.

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