WEGBEGLEITER : Netzwerker der Interessen

DER MACHER

Wendelin Wiedeking, seit 1993 Vorstandschef von Porsche, schlägt milde Töne an, wenn er das Projekt „VW-Übernah- me“ kommentiert. Der sonst schnoddrige Manager warb in Zeitungsanzeigen um die Gunst der fast komplett in der IG Metall organisierten VW-Mitarbeiter. Er braucht die Arbeitnehmer, wenn Porsche von der Verzahnung mit VW, etwa bei Forschung und Entwicklung, profitieren will. Einstweilen vermehrt Wiedeking das Vermögen der Porsche-Aktionäre: die Spekulation mit VW-Aktien bringt mehr Gewinn als der Autoverkauf.

DER KRITIKER

B
ernd Osterloh, VW- Betriebsratschef, hat den Vorstoß von Porsche als feindliche Übernahme bezeichnet. Osterloh streitet über die Mitbestimmung in der Porsche Holding, deren Teil VW nach der Übernahme ist. Sein Argument: VW könne mit 300 000 Beschäftigten mehr Mitspracherechte beanspruchen als Porsche (11 000 Mitarbeiter). Osterloh ahnt, dass die Zeiten in Wolfsburg rauer werden. Bisher wurde dort eine Konsenskultur gepflegt, deren Auswüchse im VW-Prozess aufgearbeitet wurden.

DER AUFPASSER

Christian Wulff, Ministerpräsident in Niedersachsen, hat vergeblich versucht, Ferdinand Piëch vom Thron zu stoßen. Dessen Doppelfunktion als VW- Aufsichtsratschef und Porsche-Miteigentümer hielt er für problematisch.

Als die EU 2007 das VW-Gesetz kippte, das Niedersachsen als Anteilseigner (20,4 Prozent) Sonderrechte einräumte, wurde über einen Ausstieg des Landes bei

VW spekuliert. Doch der Konzern ist für die Region zu wichtig: Was für VW gut ist, ist für Niedersachsen gut.

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