WEGBEGLEITER : Neue Töne, alte Scherben

DER ANWOHNER

Seit November 2008 ist Cem Özdemir Bundesvorsitzender der Grünen. Mit Frau und Tochter wohnt er in einem Mehrfamilienhaus an der Kottbusser Straße. Dort werden demnächst die Räume eines Cafés frei, in dem der grüne Kreuzberger Bürgermeister Franz Schulz eine Fixerstube unterbringen wollte. Özdemir hielt sich mit öffentlichen Aussagen zu dem mittlerweile geplatzten Projekt zurück, moderierte aber vor einer Woche eine Diskussion unter Anwohnern, sie trug den Titel: „Wir sind nicht das Arschloch von Berlin.“

DER ARCHITEKT

Mit dem Prinzip „Altbausanierung vor Abriss“ erfand Hardt-Waltherr Hämer die behutsame Stadterneuerung. Der streitbare Architekt leitete von 1979 an die Internationale Bauausstellung mit dem besonderen Schwerpunkt in den Kreuzberger Altbau-Quartieren. Sein Engagement markierte den Abschied von der Berliner Kahlschlagsanierung. Hämer beteiligte die Anwohner an den Sanierungsmaßnahmen, seine Mission hieß: „Rettet die kaputte Stadt!“ Zuletzt bewahrte Hämer das denkmalgeschützte Studentendorf Schlachtensee vor dem Abriss.

DER SÄNGER

Ein paar Straßen vom Kotti entfernt nahm Rio Reiser mit seiner Band Ton Steine Scherben im Jahr 1971 die erste Single auf: „Macht kaputt, was euch kaputt macht“. Rio Reiser war bis in die achtziger Jahre gern gesehener Gast in der Kreuzberger Hausbesetzerszene. Für sie schrieb er den „Rauch-Haus-Song“, dessen Refrain er den Immobilienhaien vom Kottbusser Tor widmete, die den Bau des NKZ verantworteten: „Das ist unser Haus! Schmeißt doch endlich Schmidt und Press und Mosch aus Kreuzberg raus!“

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