WEGBEGLEITER : Viel zu offenbaren

Der Stifter

Mit 40 Jahren empfing Muhammed zum ersten Male die Offenbarungen Gottes in einer Berghöhle nahe Mekka. In den folgenden Jahren bis zu seinem Tod diktierte ihm nach dem Glauben der Muslime der Erzengel Gabriel die Verse der göttlichen Offenbarung, den Koran. Das heilige Buch ist für die Muslime das unverfälschte Wort Gottes und deswegen die ranghöchste Quelle ihres Glaubens. Die zweite Erkenntnisquelle ist die Sunna – die Worte und Handlungen Muhammeds, des „Gesandten Gottes und Siegels der Propheten“.

Der Interpret

Der kürzlich verstorbene islamische Reformdenker Nasr Hamid Abu Zaid warb zeitlebens dafür, die heilige Schrift der Muslime müsse – wie die Bibel der Juden und der Christen – in ihrem zeitgeschichtlichen Kontext interpretiert werden und dürfe nicht als wortwörtlich vom Himmel gefallenen sakrosankter Text angesehen werden. Nur so könne der Islam die Herausforderungen der Moderne meistern. Im Islam gehört viel Mut zu solchen Ansichten. 1995 zwangen islamische Fundamentalisten Abu Zaid von Ägypten ins Exil nach Holland.

Der Realist

Für eine Öffnung anderer Art warb bei seiner Rede am 3. Oktober Christian Wulff. Seit drei Generationen leben jetzt Muslime in Deutschland. Und sie beanspruchen zu Recht einen vollgültigen Platz in der Gesellschaft. Darum gehört für den Bundespräsidenten der Islam künftig genauso zu Deutschland wie zuvor schon Christentum und Judentum – eine Ansicht, die ihm in konservativen Kreisen der Bevölkerung wenig Freunde macht.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben