Zeitung Heute : Wehmütiger Blick über den großen Teich

KURT SAGATZ

Viele Menschen, die in der einen oder anderen Form beruflich mit Computern ihr Geld verdienen, wünschen sich des öfteren amerikanische Verhältnisse auch in Deutschland.Dabei wird keineswegs alles, was über den großen Teich kommt, kritiklos als gut bewertet, doch in einigen Bereichen wundert es niemanden, daß die USA anderen Ländern wie Deutschland immer um einige Jahre voraus sind.In ähnliche Richtungen denkt auch Carsten Knodel, Leiter des seit einem dreiviertel Jahr bestehenden Futurekids-Centers in Berlin-Steglitz.Zu seinen Wünschen gehört unter anderem, daß sich auch in Deutschland die Schulen stärker für private Bildungsträger öffnen, vor allem in den Bereichen, in denen die Schule als Institution von der Kompetenz der Einrichtungen ohne Identitätsverlust profitieren könnte.

Das amerikanische Modell dazu ist denkbar einfach: Eine Schule geht eine Kooperation zu einem außerschulischen Bildungsanbieter wie eben "Futurekids" ein.Das privatwirtschaftlich organisierte Unternehmen richtet dann in der Schule Computerräume ein, in denen die Schüler eine Basisqualifikation erhalten.Einen Teil des Tages können die Schulen überdies die Gerätschaften unter fachlich kompetenter Aufsicht für ihre Belange nutzen.Die Bildungsträger profitieren ihrerseits dadurch, daß sie relativ kostengünstig an Räumlichkeiten kommen.Dadurch ist es dann möglich, weiterführende Kurse nicht nur für Schüler, sondern unter anderem auch für Eltern zu Preisen anzubieten, die nicht möglich wären, wenn dafür teure Räume angemietet werden müßten.Auch sozial schwächere Gruppen kämen so in den Genuß der Schulungen.Nicht zuletzt könnte damit die befürchtete Zweiteilung der Informationsgesellschaft vermieden werden.

In der Bundesrepublik beginnt diese Öffnung der Schulen, die in den USA natürlich auch mit dem Konkurrenzkampf der Bildungseinrichtungen zusammenhängt, ebenfalls langsam.Erste Ansätze werden beispielsweise in Hessen sichtbar.In der Nähe von Kassel hat sich nach Knodels Ausführungen eine Schule entschieden, sich für einen privaten Träger zu öffnen.Das dortige "Futurekids"-Center hat in einer Schule einen Raum angemietet und mit drei Computern ausgerüstet.Einen Teil des Tages steht der Raum der Schule zur Verfügung, nachmittags wird er für die Angebote von "Futurekids" genutzt.Während sich die Preise je Computerstunde in den privaten Schulungseinrichtungen sonst um die 30 Mark bewegen, liegen sie im hessischen Fall bei der Hälfte.

Auf Berlin gemünzt heißt das, daß Computerschulen für Kids nicht nur in den besser betuchten Bezirken möglich wären, wie dies jetzt noch der Fall ist.Auch wenn sich das "Futurekids"-Centrum in Steglitz nicht über mangelnden Zulauf beschweren kann, weiß Knodel doch, daß es derzeit in anderen Bezirken nur schwer möglich wäre, mit solchen Einrichtungen auf einen grünen Zweig zu kommen.Dies liegt zum einen daran, daß es zum Anspruch der professionellen Schulen gehört, die Kinder an neuen Computern mit aktueller Software zu schulen - und das in Räumlichkeiten, in denen sich die Kinder wohlfühlen.Zum anderen sollen die Gruppenstärken möglichst niedrig gehalten werden, damit sich der Trainer intensiv mit den Kindern beschäftigen kann.All das treibt natürlich die Kosten und somit die Gebühren in die Höhe.Zusätzlich erschwert wird die Situation für die privaten Schulungseinrichtungen dadurch, daß als Zeitfenster für die Kurse nur drei Stunden am nachmittag zur Verfügung stehen.Kooperationen mit Schulen könnten somit für beide Seiten viele Probleme beheben.

Von pädagogischen Alleingängen der Eltern beim Computereinsatz hält Knodel übrigens wenig.Auch wenn viele, vor allem jüngere Eltern durchaus in der Lage seien, den Computer als Arbeitswerkzeug sinnvoll einzusetzen, fehlte ihnen doch oft die Zeit, sich konzentriert mit den Kindern vor den Computer zu setzen.

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