Zeitung Heute : Weicher Kern

SUSANNA NIEDER

Der Mann, den sie Sau nannten: Strana Gluchich im WettbewerbVON SUSANNA NIEDERDer slawische Hang zur Melodramatik kann dem gemeinen Westler leicht über die Hutschnur gehen."Strana Gluchich" (Das Land der Stille), einziger osteuropäischer Beitrag im Wettbewerb, fährt auf, was die russische Seele zu bieten hat: Die heilige Närrin, den Spieler, den Schrei nach Gerechtigkeit (der etwas grell nachklingt).Und natürlich schwere Jungs, mit und ohne Gehör, mit und ohne Herz.Die Verliererinnen sind, natürlich, die Frauen.Oder sind sie die Gewinnerinnen, weil sie das Leben in der Hand halten, während Männer nur zerstören? Trotz aller Überspanntheiten ist "Strana Gluchich" ein ehrenwerter Versuch.Es läßt sich nachvollziehen, warum man einen solchen Film macht, wenn man in einer erbarmungslosen Stadt wie Moskau lebt.Für die naive Rita (etwas linkisch: Tschulpan Chamalova) und die formidable, taube Jaja (Dina Korzun) ist das Leben in dieser lärmenden Männerwelt eine Gratwanderung - vielleicht wirklich besser, man verschließt die Ohren.Und wenn ausgerechnet der bullige Nachtclubbesitzer, den sie die Sau nennen, als einziger Mann einen weichen Kern hat, ist das tatsächlich irgendwie bewegend.Es gibt solche Momente in diesem Film, auch wenn sie sich in den zwei Stunden nicht zu einem Ganzen fügen. Heute 9 Uhr/17.30 Uhr (Zoo Palast); morgen 9.30 Uhr (Royal Palast), 18.30 Uhr (Urania), 22.30 Uhr (International).

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