Zeitung Heute : Weihnachten im Cyberspace

JUSTUS DEMMER

Mit dem Rentierschlitten durchs Netz / Religiöses und KommerzJUSTUS DEMMER (dpa).Ein böhmisches Schaf erzählt die Weihnachtsgeschichte ­ aus seiner Sicht.Die zunächst bizarr wirkende Ankündigung ist Teil des Internet-Angebotes der Evangelischen Kirche in Deutschland.Im weltumspannenden Computernetzwerk muß zwar auf Tannenduft (noch) verzichtet werden, doch auch auf der Datenautobahn eilt der elektronische Weihnachtsmann der Bescherung zu.Und wer wissen will, wie der rundliche Mann mit dem Rentierschlitten zu seiner Dienstkleidung kam, wird ebenfalls fündig.Coca-Cola ist schuld, heißt es beispielsweise im Netz: Der Brause-Konzern aus Atlanta, so geht die Mär, steckte den Weihnachtsmann 1931 für eine Anzeigenkampagne in ein rot-weißes Kostüm und prägte so bis heute dessen Bild.Warum das nicht stimmt, ob Jesus wirklich am 25.Dezember Geburtstag hat und ob die Selbstmordrate über die Feiertage tatsächlich deutlich ansteigt sind einige der Fragen, auf die eine amerikanische Seite im World Wide Web erschöpfend Auskunft zu geben weiß.Wer es zum Fest etwas weniger trivial mag und die ­ ebenso heitere wie besinnliche ­ Geschichte des böhmischen Schafes bereits gelesen hat, kann bei der Katholischen Kirche einen Zwischenstopp einlegen.Deren Meditation zum Lukastext der Geschichte aus Bethlehem lädt zum Verweilen ein und führt an den Ursprung des Christfestes zurück.Etwas Zeit müssen Online-Surfer auch für das Angebot einer Wuppertaler Studentin mitbringen.Sie stellt Weihnachtslieder auf Mausklick bereit, jeweils mit Informationen zu Komponisten, Textern und den musikalischen Eigenheiten der Stücke.Ähnliches ist auch für Lieder aus der englischsprachigen Welt zu finden.Deren Eindruck von Weihnachten in Deutschland versucht das Goethe-Institut in Hongkong zu prägen: Rezepte für Zimtsterne und den Weihnachtskarpfen, Erklärendes über Weihnachtsbaum und -krippe, Links zu Weihnachtsmärkten, dazu Lieder und Gedichte ­ ein umfassendes Kompendium zum Fest zwischen Flensburg und Konstanz für neugierige Auswärtige und vergeßliche Einheimische als Kulturexport.Den umgekehrten Blick ins Ausland erlaubt ein weiteres amerikanisches Angebot, das ­ angelehnt an die Kinohelden "Men in Black" (Männer in Schwarz) ­ unter anderem auch die "Elfen in Schwarz" (Elves in Black) beherbergt, die das Weihnachtsfest gegen alles Böse auf der Welt verteidigen wollen.Hier ist zu erfahren, wie Weihnachten in 33 Ländern rund um den Globus gefeiert wird ­ von Brasilien bis China.Um das neu erworbene Wissen mit anderen zu teilen, gibt es im Netz interaktive Weihnachtskarten, eine Art elektronischer Post mit Schmuckblatt, die an die Lieben in der Cyber-Gemeinschaft verschickt werden können.Wer des Surfens danach nicht müde ist, kann beispielsweise über die liebevoll gestalteten "HappyXmas"-Seiten weiter den Spuren des virtuellen Weihnachtsmanns folgen.Links:

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