Zeitung Heute : WEINE DES MONATS

Peter Scheib

NAHE

Großer Riesling aus einem unterschätzten Anbaugebiet

Auf die Frage nach den Besonderheiten des Anbaugebiets Nahe zucken auch Kenner oft nur mit den Schultern. Dabei kommen aus der Umgebung von Bad Kreuznach einige der besten deutschen Rieslinge und Weißburgunder, die im Idealfall die guten Eigenschaften der Nachbargebiete - Mineralität der Mosel, Eleganz des Rheingaus, üppige Fülle Rheinhessens - zu einer ausgewogenen Mixtur verbinden. Eine solche ist der 2004 Münsterer Dautenpflänzer Riesling Spätlese trocken aus dem Weingut Kruger-Rumpf . Das gute Jahr und die idealen Bedingungen der Steillage am Nahe-Ufer haben einen außergewöhnlichen Riesling ermöglicht, der ein üppiges Bukett verströmt und durch perfekte Säurestruktur und langen Abgang verwöhnt. Diese Sonderfüllung des renommierten Gutes gibt es für 12,90 Euro nur bei Rogacki, Wilmersdorfer Str. 145 in Charlottenburg, sowie bei Wein und Kunst in der Regattastaße 66 in Grünau.

COLLI FIORENTINI

Preisgünstiger Chianti aus privilegierter Randlage

Die toskanischen Winzer stecken in der Klemme. Seit Beginn des internationalen Toskana-Booms haben sie genommen, was sie kriegen konnten – und verharren nun auf einem Preisniveau, das mit der Qualität der meisten Weine kaum noch etwas zu tun hat, bei den „Super-Tuscans“ fast ebenso wie beim Chianti classico. Viele ehemalige Fans sind längst in Richtung Spanien oder Übersee abgesprungen und haben einen Hauch Krisenstimmung zurückgelassen. Doch das ist die Chance für Erzeuger in den weniger prestigebeladenen und deshalb preislich weniger hochgejubelten Randlagen wie den Colli Fiorentini im Nordwesten der Classico-Region, wo die Bedingungen für klassischen Chianti nicht weniger gut sind. Die Fattoria di Fiano , die 1940 vom Kölner Großvater des heutigen Besitzers Ugo Bing gegründet wurde, ist dort einer der führenden Betriebe. Ihr 2003 Chianti Colli Fiorentini DOCG bietet das, was viele teurere Classicos vermissen lassen: Struktur, sanftes Tannin, und klaren Sortencharakter mit Anflügen von Veilchen und Schwertlilien über einer reichen Kirschfrucht, die dennoch elegant wirkt, ohne die Bombastik vieler überextrahierter Toskaner neuen Stils. Die Flasche kostet sehr moderate 7,90 Euro in der Enoteca Blanck & Weber in der Ludwigkirchstraße 11 in Charlottenburg.

ZUM LESEN

Neuausgabe eines nützlichen Buchs für sparsame Weinfans

Der Stuttgarter Weinexperte Bernd Kreis hatte als erster in Deutschland die Idee, ein Buch mit Verkostungsnotizen für gute preiswerte Weine auf den Markt zu bringen. Unter zehn Mark – damit fing es an, aber das ist lange her, denn daraus sind längst, natürlich auch in der aktuellen, von Till Ehrlich geschriebenen Neuausgabe für 2006 500 Weine unter zehn Euro geworden. Das ist eine andere Preiskategorie, aber die Autoren können dafür aus einer üppigen Auswahl schöpfen, in der vor allem die Basisweine renommierter Top-Winzer angenehm aufgefallen sind. Das Buchkonzept leidet ein wenig unter dem bekannten Problem, dass bei deutschen (und österreichischen) Weinen durchweg die Gutspreise angegeben sind, bei allen anderen dagegen die deutschen Einzelhandelspreise – manch deutscher Wein dürfte also im Berliner Regal die Zehn-Euro-Grenze deutlich überschreiten. Dennoch steht der Nutzen des handlichen Werks außer Zweifel. Vor allem ist es jetzt und noch für viele Monate so aktuell, dass die erwähnten und gelobten Weine ohne Probleme zu beschaffen sein dürften. (Kreis/Ehrlich, 500 Weine unter 10 Euro 2006, Hallwag, 14,90 €). bm

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