Zeitung Heute : WEINE DES MONATS

Peter Scheib

SPANIEN

Preisgünstiger Tempranillo

aus den Höhen der Mancha

Man möchte meinen, dass das größte zusammenhängende Weinanbaugebiet der Welt auch große Weine hervorbringt. Doch erst seit einigen Jahren kommen aus der spanischen Mancha neben gesichtslosen Massenweinen auch Qualitätsprodukte, die das vor allem für Rotweine große Potenzial der Gegend ausschöpfen. Die Weinberge reichen bis auf eine Höhe von 850 Metern – das bringt relativ kühle Nächte und kalte Winter, und die Reben müssen sich auf den trockenen Sandböden quälen. So liegen die Erträge ohne Zutun der Winzer auf sehr niedrigem Niveau, gut für konzentrierte, ausdrucksvolle Weine. José Miguel Medrano, der Chefönologe der Bodega Tikalo , verzichtet darüber hinaus auch auf Kältestabilisierung und Filtration und gibt seinen Weinen so besondere Intensität.

Der 2005 Rubens , ein reinsortiger Tempranillo, macht seinem Namen Ehre: Er demonstriert die Vorzüge dieses Stils mit Wucht, Opulenz, bemerkenswerter Mineralität und betörender Frucht von kirschen und dunklen Beeren, die durch keinerlei Holztöne überlagert ist und sich deshalb frei entfalten kann. Auch die feinen, samtigen Tannine demonstrieren, wie gut Medrano sein Handwerk beherrscht. Der Preis von 5,90 Euro darf als außergewöhnlich günstig gelten: Zu haben ist dieser verführerische Spanier bei Cavatappi , Körtestr.28 am Südstern in Kreuzberg, und im Weinwinkel , Dunckerstr.2a in Prenzlauer Berg.

SÜDFRANKREICH

Komplexer Madiran aus einer kleinen Domäne

Unser zweiter Rotwein des Monats eignet sich durchaus für einen Stilvergleich, denn auch im südwestfranzösischen Anbaugebiet gibt es eine uralte Weinbautradition, und auch dort wurden bis vor wenigen Jahrzehnten nur wenig bemerkenswerte Weine erzeugt. Sie waren vor allem von der Tannat-Rebe dominiert, die grundsätzlich sehr tanninbetonte, dichte und strenge Weine erbringt. Experimentierfreudige Winzer wie Alain Brumont (Montus, Bouscassé) haben diese eigensinnige Rebe aber durch späte Lese, konsequentes Abbeeren der Stiele, durch Mikrooxidation und Verschnitt mit der charmanteren Cabernet Sauvignon gezähmt, ohne ihr den besonderen Charakter zu nehmen.

Auf diesem Wege konnte auch der Belgier Pierre Speyer, der 1993 die verfallene, winzige Domaine Laffont übernahm, schnell auf sich aufmerksam machen. Aus den uralten Rebstöcken gewann er mit aufwendiger Handarbeit und moderner Kellertechnik Rotweine, die schnell trinkbar sind und doch nichts von den besonderen Qualitäten der Madiran-Weine unterschlagen. Unser 2004 Cuvée Tradition ist der Basiswein, ein tiefdunkler, fast schon schwärzlicher Rotwein, der eine breite Palette von Aromen offeriert, an Pflaumen und Waldfrüchte, Paprika, Lakritze und Leder erinnert und den Gaumen mit regionaltypischer Würze und Süße umschmeichelt. Auch dieser herzerwärmende Südfranzose spielt qualitativ in einer höheren Liga, als der Preis vermuten lässt: 8,60 Euro sind gut angelegtes Geld. Zu haben ist dieser Wein bei Viniculture in der Grolmanstraße 44-45 in Charlottenburg.

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