Wellness in Meck-Pomm (6) : Molli schnauft weiter

Bad Doberan behält seine Attraktion: Die Schmalspurbahn fährt weiter – mit einer neuen, alten Dampflok.

Claus-Dieter Steyer
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Romantisch reisen. Die Schmalspurbahn »Molli« verkehrt mehrmals täglich zwischen Bad Doberan und Kühlungsborn. -Foto: TMV

Sie zischt, pfeift, lässt Dampf ab und setzt sich mit lautem Getöse gemächlich in Bewegung. Zu jeder Tages- und Nachtzeit können sich Eisenbahnfreunde an der kleinen Molli begeistern. Denn im Internet kennt die einzige Schmalspurbahn an der Ostseeküste keine Pause. Bei jedem Anklicken der Seite www.molli.de bewegt sich das Signal nach oben und gewährt dem stilisierten Zug freie Fahrt – mit den für „Pufferküsser“ himmlischsten Geräuschen.

Tatsächlich fährt die 1886 eröffnete Bahn jeden Tag mehrmals zwischen Bad Doberan, Heiligendamm und Kühlungsborn hin und her – faszinierend nicht nur für Dampflokfans. Die meisten Kinder und Jugendlichen kennen solche technischen Meisterwerke nur aus Filmen und Büchern, und sie stehen sie oft staunend in den Straßen von Bad Doberan. Denn der dampfende Zug schlängelt sich seit jeher durch die Gassen der Stadt mit dem mächtigem Münster.

Unter den Einheimische kursieren gleich mehrere Varianten darüber, woher der Name ihres beliebten Verkehrsmittels stammt. Am schönsten klingt die Geschichte über eine alte Dame, die vor mehr als 100 Jahren mit ihrem dicken Hund, einem Mops, in den Zug einsteigen wollte. Der aber riss sich los, so dass Frauchen lautstark auf Plattdeutsch rief: „Molli, bliev stahn!“ Es stoppte nicht etwa der Hund, sondern der Dampfzug. Der Lokführer hatte sich so erschrocken, dass er eine Vollbremsung hinlegte. Von da an soll die Bäderbahn nur noch „Molli“ geheißen haben.

Doch bei aller Begeisterung für Nostalgie hätte die Touristenattraktion in jüngsten Zeit wohl ihren letzten Schnaufer getan. Die Lokomotive kam buchstäblich in die Jahre und drohte, unter der täglichen Belastung schlappzumachen. Eine Entlastung musste her – und wurde tatsächlich gefunden. Nach fast 50 Jahren schufen Ingenieure und Monteure im Werk Meiningen erstmals wieder eine Dampflok. Die neue „Molli“ gleicht der Konstruktion von 1932 und erlebt in wenigen Tagen ihre große Taufe. 2,5 Millionen Euro kostet das Schmuckstück, das zum größten Teil das Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. 600 000 Fahrgäste im Jahr rechtfertigten die Ausgabe, findet Verkehrsminister Otto Ebnet. Übrigens: Wer will, kann Mitfahrten auf der Lok buchen oder einen Lehrgang zum Ehrenlokführer. Claus-Dieter Steyer

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