Zeitung Heute : Wellness-Tourismus: Fit sein und Natur erleben

T. Gehrke

Kürzer, häufiger und auch gesünder. Das Urlaubs- und Reiseverhalten hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Die Menschen fahren heute eher kurzentschlossen weg, buchen verstärkt Pauschalangebote, achten auf die Gesundheit und wollen mehr genießen. Für diese schönen Tage sind Touristen nach Experteneinschätzung auch bereit, mehr auszugeben.

Auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) hieß das Schlagwort dafür Wellness-Tourismus. "In einer zunehmend älter werdenden Gesellschaft bekommt das Thema Gesundheit einen immer höheren Stellenwert", argumentierte der Präsident des Deutschen Tourismusverbandes, Jürgen Linde. Es wird geschätzt, dass sich die Zahl der Wellness-Urlauber in den kommenden zehn Jahren vervierfacht. Fit sein und die Natur zu erleben, ist gefragt. In den neuen Bundesländern wird versucht, mit entsprechenden Angeboten auf diese Wünsche zu reagieren. Zudem rücken zahlungskräftige Tagungstouristen stärker ins Blickfeld der Tourismusmanager.

Auf der ITB wurde auch deutlich, dass die großen Tourismusanbieter die neuen Länder als attraktive Reiseziele entdeckt haben. Neue Kataloge zu Urlaubsthemen wurden aufgelegt. "Dies zeigt, dass die Angebote des Landes auch zu verkaufen sind", beschrieb Werner Bartels vom Thüringer Wirtschaftsministerium die Entwicklung. Eine Steigerung der Touristenzahlen wird insgesamt vom Trend zu mehr Kurzurlauben erwartet.

Das Potenzial für Gesundheitsangebote zeigt das Beispiel der Natur Therme im brandenburgischen Templin. Die Therme rechnete im ersten Jahr mit 195 000 Gästen. Nach gut drei Monaten nutzen hingegen schon 145 000 Gäste das Angebot.

Thüringen hat das Segment Tagungstourismus stark im Blick. Auf der ITB wurde erstmals dafür eigenständig geworben. Aber auch Sachsen sieht sich für die neuen touristischen Ansprüche gut gerüstet. Für die Wellnesswelle konnten auf der weltgrößten Reisemesse attraktive Angebote offeriert werden, sagte Ines Nebelung von der Tourismus-Marketing-Gesellschaft Sachsen.

Mecklenburg-Vorpommern ist für die neue Gesundheits- und Fitnesswelle bereits gut gerüstet. Elf Spaß- und Erlebnisbäder sind vor allem auf Familien mit Kindern ausgerichtet. Damit werden Gäste auch im Herbst, Winter und Frühling für einen Urlaub im Land begeistert, erläuterte Bernd Fischer vom Tourismusverband des Landes. Zudem würden Wellness-Hotels und Beauty-Bereiche angeboten.

Sachsen-Anhalt will den Gesundheitstrend auch nicht verpassen. Wirtschaftsministerin Katrin Budde sieht bei den Investitionen in nächster Zeit vor allem Bedarf für Wellness- und Freizeitangebote für Senioren und junge Urlauber. In diesem Jahr setzt das Land mit Blick auf Auslandstouristen besonders auf das Thema Geschichte. Angebote passten gut in die weltweite Vermarktungsstrategie der Deutschen Zentrale für Tourismus, die mit dem Thema "Glanz der Romanik" international wirbt.

Sachsen sieht auch den Trend einer übergreifenden Zusammenarbeit mit den anderen Bundesländern. Es gebe jetzt schon sehr gute Ansätze und auch gemeinsame Aktionen, sagte Nebelung. Dies sei wichtig, denn die Tourismusbranche setze verstärkt auf besondere Themen und nicht mehr so sehr nur auf einzelne Regionen. Die Kataloge mit Angeboten in Ostdeutschland sind bereits entsprechend aufgebaut.

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