Zeitung Heute : Welt aus Karton

Der Tagesspiegel

Zwei Gestalten kauern auf einer frei schwebenden Platte, links und rechts türmen sich Wände aus braunen Umzugskartons. Nur über eine Rutsche ist der Raum mit der Außenwelt verbunden, und vor einem nebligen Horizont schaukelt ein Papierschiff.

Was wie ein Fiebertraum wirkt, ist ein preisgekröntes Bühnenbildmodell der TU-Studentin Anja Furthmann. 18 Studierende des Fachs „Bühnenbild" hatten sich an dem Wettbewerb des Berliner Carrousel-Theaters beteiligt; gefragt war ein Bühnenbildkonzept zu dem Stück „Polter, Geist und Ti" von Erik Uddenberg.

Das Stück erzählt die Geschichte eines achtjährigen Mädchens, deren Mutter wie besessen Abfall in der ganzen Stadt sammelt, sortiert und archiviert, so dass die gemeinsame Wohnung allmählich vermüllt. Ein beklemmender, schwieriger Stoff, findet Manuel Schöbel, Intendant des Carrousel-Theaters - und damit eine echte Herausforderung für die angehenden Bühnenbildner. Den Entwürfen ist anzusehen, dass keine Anfänger am Werk waren: Zum Bühnenbild-Masterstudium an der TU sind nur diplomierte Architekten und Bauingenieure zugelassen. Anja Furthmann, deren Konzept den zweiten Preis erhielt, hat sogar schon zehn Jahre Berufserfahrung als freie Innenarchitektin.

Der Wettbewerb ist Teil des Studiums. In vier Semestern lernen die Bühnenbild-Studierenden den künstlerischen Umgang mit Farbe und Licht, aber auch, wie man statische Berechnungen anstellt oder wie ein Lastzug funktioniert, denn gesucht sind Leute, die beides können. Obwohl der Studiengang noch in den Anfängen steckt, geht das Konzept schon jetzt auf; die enge Zusammenarbeit der TU mit verschiedenen Berliner Theatern, aber auch mit Bühnen von Helsinki bis Zypern erleichtert den Berufseinstieg. „Manche bekommen gleich nach dem Praktikum einen Vertrag", sagt Professor Andrea Kleber, die Leiterin des Studiengangs. Die Auswahl ist streng: Nur 25 Studentinnen und Studenten werden pro Jahr aufgenommen. „Bühnenbildner ist ein schwieriger Beruf", erklärt Andrea Kleber. „Künstlerische Begabung und technische Fähigkeiten reichen nicht aus. Man muss belastbar sein und sich auf ständig wechselnde Teams einstellen können." Für Anja Furthmann geht die Arbeit jetzt erst richtig los. Am 28. Mai hat „Polter, Geist und Ti" Premiere im Carrousel Theater Premiere - mit ihrem Bühnenbild. Jutta Liesen

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