Zeitung Heute : Welten nebeneinander

GREGOR SCHMITZ-STEVENS

Widerspenstig: Das Hartog Quartett mit seinem dritten Schubert-Abend Aus den Berliner Streichquartett-Formationen sticht das Hartog Quartett seit langer Zeit durch seine großangelegten Konzertreihen heraus.Nach dem mehrjährigen Haydn-Zyklus erarbeiten sich die vier Musiker des Deutschen Symphonie-Orchesters nun sämtliche Quartette von Franz Schubert.Auch beim dritten Abend im Otto-Braun-Saal der Staatsbibliothek standen frühe Stücke des jugendlichen Autodidakten einem Werk aus reiferer Zeit gegenüber. Die Ouvertüre c-Moll (D 8) und das C-Dur-Quartett (D 32), Kompositionen des Vierzehn- beziehungsweise Fünfzehnjährigen, spielte das Hartog Quartett mit großem Schwung und einer mitunter etwas zu ausladenden Rhetorik.Ob das unschuldige Menuetto aus dem C-Dur-Quartett wirklich so rasch und widerspenstig von Schubert gemeint war? Da wirkten die fünf Deutschen Tänze (D 89) überzeugender, nahmen die Musiker sie doch als das, was sie sind: Unterhaltungsmusik für Liebhaber; und in dieser vermeintlich minderwertigen "Gebrauchsmusik" schimmerte mehr typisch Schubertsches durch als bei seinen frühen Versuchen in den ernsten Gattungen.Wunderbar gelang den Musikern die ruhig verklingende Coda, fast wie eine besinnliche Erinnerung an den vorangegangenen lebhaften Tanz. Diesen frühen Werken stand das "Rosamunde-Quartett" (a-Moll D 804) mit seiner ganz anderen Sprache gegenüber.Isabel Grünkorn brachte ein wenig Unruhe in die weitgeschwungene Bewegungsfläche zu Beginn des ersten Satzes: sie spielte die Achtelbewegung der zweiten Violine eher als Kontrapunkt zur Kantilene Bernhard Hartogs und weniger als integralen Bestandteil der ostinaten Begleitung.Auch die Moll-Dur-Wechsel, die - so unscheinbar sie sind - doch Welten nebeneinanderstellen, hätte man sich deutlicher akzentuiert gewünscht.Im Detail schien es immer wieder kleine Abstimmungsschwierigkeiten zu geben, die in den weiteren Sätzen allerdings nicht so ins Gewicht fielen.So bleibt nach drei Konzerten der Eindruck, daß das Hartog Quartett den Erfolg seines Haydn-Zyklus kaum wird wiederholen können; doch das werden erst die weiteren Schubert-Abende der nächsten Saison zeigen.GREGOR SCHMITZ-STEVENS

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