Zeitung Heute : Wenig Umgang

So war er – harter Sparkurs für die Arbeitslosen und harte Worte für die Mitarbeiter

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Es gibt vermutlich wenige Arbeitslose, die Florian Gerster als ihren größten Förderer und Beschützer bezeichnen würden. Schließlich waren es keine bequemen Botschaften, die der Behördenchef öffentlich verkündete. So forderte der SPDPolitiker schon frühzeitig, das Arbeitslosengeld nur noch für maximal ein Jahr zu zahlen. Laut dachte er darüber nach, wie überflüssig Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) sind. Der BA-Vorstandsvorsitzende verweist gerne darauf, dass er sich den Beitragszahlern verpflichtet fühlt. Am liebsten wäre er als der Behördenchef in die Geschichtsbücher eingegangen, der die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung senkt.

Gerster machte in seiner Behörde vor allem mit seinem rigorosen Sparkurs auf sich aufmerksam. So kündigte er Anfang letzten Jahres an, ohne eine Finanzspritze des Bundes auskommen zu wollen. Das gelang ihm angesichts der hohen Arbeitslosigkeit zwar nicht, aber auch für 2004 setzt er wieder im Haushalt den Rotstift an. Für die aktive Arbeitsmarktpolitik steht dann weniger Geld zur Verfügung – die Arbeitsämter werden in diesem Jahr weniger ABM finanzieren können. Bei Weiterbildungskursen achten die Arbeitsämter seit einem Jahr auf den Erfolg. Kurse werden nur noch bezahlt, wenn voraussichtlich 70 Prozent der Teilnehmer im Anschluss auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen. Zwischenzeitlich fuhr die BA den Kurs, zuerst diejenigen zu vermitteln, die erst kurz arbeitslos sind.

Die 90 000 Mitarbeiter der BA wiederum erlebten Gersters Umgangsweisen als harte Prüfung: Kaum ein paar Tage im Amt, erklärte er, die Hälfte von ihnen werde eigentlich nicht gebraucht. Die anderen sollten Manager werden. Und mehr Verantwortung bekommen. Und mehr Zeit für die Arbeitslosen. Doch für die Angestellten und Beamten der Behörde wurde erst einmal alles schlimmer: Der Arbeitsdruck nahm zu, die Zahl der Arbeitslosen auch – und Anerkennung für ihre Arbeit bekamen sie kaum noch. Zu sehr waren die Elitetruppen der Anstalt damit beschäftigt, die „Tools“ (Werkzeuge) für den Umbau zu erlernen. Dazu reisten sie in die Arbeitsamtseigene Fortbildungsakademie in Lauf bei Nürnberg – und kamen als „Change Agents“ (das sind diejenigen, die den Wandel der Behörde intern besonders schnell vorantreiben sollen) zurück. Die Agenten des Wandels seien hochmotiviert und trügen die Arbeit, heißt es bei den Unternehmensberatungen, die den Umbau begleiten. Für die anderen aber hatten weder die BA-Spitze noch die Berater viel übrig. Entsprechend verärgert reagierten die Mitarbeiter. Kein Wunder, dass die meisten Gerüchte und Papiere, die über Gersters Arbeit in Umlauf gerieten, aus der Behörde selbst kamen. ce/uwe

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