Zeitung Heute : Weniger Urlaub für Hundert,6-Mitarbeiter

rfi

Zuviel Müßiggang macht faul und träge. Das jedenfalls ist die Überzeugung von 100,6-Chef Georg Gafron. Deswegen hat er sich zu einem ungewöhnlichen Schritt entschlossen. Alle Mitarbeiter des Radiosenders bekamen ein Schreiben, in dem sie von der Geschäftsleitung gebeten wurden, auf fünf von ihren 30 arbeitsvertraglich zugesicherten Urlaubstagen freiwillig zu verzichten. "Von 133 Mitarbeitern haben bereits 75 eingewilligt", sagte Gafron gegenüber dem Tagesspiegel. Für den Fernsehsender TV-Berlin, dessen Geschäftsführer und Programmchef der Medienmacher ebenfalls ist, gelte diese Bitte nicht.

Der Hintergrund für die Maßnahme bei Hundert,6 seien nicht finanzielle Schwierigkeiten. Vielmehr sei in Deutschland Arbeit zu teuer, es werde zuviel Freizeit gemacht. Gegenüber seinen Mitarbeitern begründete Gafron die Bitte um Urlaubsverzicht damit, dass die Herausforderung nicht nur darin liege, "im harten Wettbewerb weiter zu bestehen", sondern auch "die Entwicklung der Schere zwischen Kosten und Ertrag unter Kontrolle zu halten". Kein Mensch mache bei dem Sender sechs Wochen Urlaub - mit den Feiertagen seien es sogar acht - das lasse der Stellenpegel nicht zu. So würden in neuen Arbeitsverträgen auch nur 25 Urlaubstage vereinbart. Gegenwärtig sind bei 100,6 einige Stellen offen, das stünde in keinem Zusammenhang mit der Bitte.

Gafron will für die Wirtschaft ein Zeichen setzen. Ungelegen kommt es ihm dabei nicht, dass der Brief der Geschäftsführung in die Öffentlichkeit gelangt ist: "Besonders loyale Mitarbeiter haben mir die Arbeit abgenommen", sagte er. Gegenwärtig macht er mit seinem Sohn einen Wanderurlaub im Schwarzwald. Aber mehr als 15 Tage Urlaub im Jahr mache er nicht, versichert er.

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