Zeitung Heute : Wenn an der Haut was faul ist Uschi Glas streitet für ihre Gesichtscreme

Katja Füchsel

Das ist das Lächeln, das Uschi Glas die schlaflosen Nächte bereitet haben muss. Der Spott, der der Schauspielerin nach eigenem Bekunden so nahe geht. Schon vor dem Gerichtssaal stecken die Zuschauer die Köpfe zusammen, tuscheln über Pickel und Pusteln, kichern. Den dunklen Flur des Berliner Landgerichts hält die gut gelaunte Menge fest im Blick: Kommt sie? Kommt sie nicht? Als der Prozess ohne Uschi Glas, 61, beginnt, tauchen die enttäuschten Fotografen und Kameraleute eine weiße Plastiktüte ins Blitzlichtgewitter: „Objektivität hat eine Adresse. Stiftung Warentest“, steht darauf.

Überrascht blickt der Vorsitzende Richter im überfüllten Saal des Berliner Landgerichts umher. Dicht gedrängt sitzen die Menschen auf den Holzbänken, stehen an den Wänden, vor der Tür. „So ein Medieninteresse hatten wir bei Prozessen mit der Stiftung Warentest noch nie“, sagt Richter Michael Mauck. Aber vermutlich sind im Saal 143 auch noch nie zwei deutsche Institutionen gegeneinander angetreten. Da ist einmal Uschi Glas, Schauspielerin und seit den 60er Jahren von den deutschen Bildschirmen nicht mehr wegzudenken. Auf der anderen Seite steht die Stiftung Warentest, seit 40 Jahren gewissermaßen der Vorkoster der Nation, die dritte Kraft zwischen Industrie und Verbraucher. Und dazu streiten beide um eine eher schmierige Angelegenheit, die „Uschi Glas hautnah Face Cream“.

Im Fernsehen, beim Sender Home Shopping Europe, hatte Uschi Glas ihre „beliebte 24-Stunden-Gesichtscreme“ noch selbst angepriesen. „Sie riecht lecker, ist sehr nobel aufgemacht, passt zu jedem Hauttyp und ist ein unglaublich erfolgreiches Produkt.“ Doch im vergangenen April hatte die Stiftung Warentest der „Uschi Glas hautnah Face Cream“ (50 Milliliter, 24Euro99) ein „mangelhaft“ verpasst. Bei elf von 30 Probandinnen seien Pickel, Pusteln, Brennen oder andere Unverträglichkeiten aufgetreten, sieben hätten den Test gar abgebrochen. Genüsslich hält der Stiftungsanwalt das Foto einer jungen Frau in die Höhe. Es ist eine Probandin, die aussieht als hätten sie Röteln, Masern und Mumps gleichzeitig erwischt. „Dieses Ergebnis ist für Sie eine Katastrophe!“, ruft der Jurist den Geschäftspartnern von Uschi Glas zu.

Wohl wahr. Nach einer Forsa-Umfrage vertrauen die Bundesbürger der Stiftung Warentest mehr als der Polizei, dem Roten Kreuz und Greenpeace – was die Kosmetikserie von Uschi Glas auch prompt zu spüren bekam: Laut Klage konnte der Verkauf „trotz diverser Anstrengungen bis heute nicht stabilisiert werden“. Während im März noch für 462209 Euro Cremes verkauft wurden, sackte der Umsatz nach der „Test“-Veröffentlichung auf 96285 Euro im April und 106521 Euro im Mai ab. Während es den Geschäftspartnern von Uschi Glas, der Firma 4 S-Marketing, bei der Klage vor allem um den Umsatzverlust geht, kämpft die Schauspielerin um ihren Ruf.

Gleich vier Gegengutachten von drei Testinstituten fahren die Kläger auf, die der Creme deutlich bessere Bewertungen geben als die Warentester – doch der Richter winkt gelangweilt ab, das „beweist doch nichts“. Viel besser ergeht es den anderen Argumenten auch nicht. Eine vorsätzliche Manipulation durch das von der Stiftung beauftragte Testinstitut? Mauck wiegt den Kopf. „Das kann man sich fast gar nicht vorstellen.“ Eine allergische Reaktion gestresster, schlecht ernährter oder hautkranker Probandinnen? „Höchst unwahrscheinlich.“ Festlegen will sich das Gericht aber am Donnerstag noch nicht; es vertagt sich auf den 14. April.

Vielleicht läuft es dann ja besser für Uschi Glas. Die Abweisung der Klage wäre eine weitere Ohrfeige für die Schauspielerin. Welche Spuren so etwas hinterlässt, ist ja bekannt: Hautrötungen.

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