Zeitung Heute : Wenn Autos zu laut rülpsen

ANDREAS CONRAD

Auch Autofahrer dürfen träumen, etwa von einer erbarmungslosen Politesse.Schon zückt sie triumphierend den Stift, da öffnet sich die Motorhaube, das Auto, ein treuer Freund, schnappt zu - weg ist sie.Ein Rülpsen, der Strafzettelblock fliegt auf die Straße: Ein Mercedes der A-Klasse ist für vieles gut.

Filmpremiere im Cinemaxx am Potsdamer Platz.Die allererste Berlinale-Veranstaltung am neuen Ort, ein Jahr vor dem Umzug.Das Filmboard Berlin-Brandenburg und Mercedes-Benz, Hauptsponsor der Festspiele, baten am Montag abend zum Empfang.Und weil es um Kino geht, wurden die Gäste gleich zu Beginn in Saal 7 gebeten: Zuerst ein neuer Werbestreifen des Filmboards, in dem Leute der hiesigen Kinobranche einander versichern, wie toll es hier sei.Auch Kulturstaatsminister Michael Naumann hatte man Lobendes entlockt, mancher Anwesende hatte ihn kurz vorher live als Gastgeber im Holiday Inn Crowne Plaza erlebt.

Dann die A-Klasse.Gleich dreimal rollte sie über die Leinwand, in Detlev Bucks Version des "Englischen Patienten", in Marc Vorwerks "Politesse" und in Peter Thorwarths "Abgezockt".Nicht länger wollte der Sponsor nur die Stars durch die Stadt kutschieren, sondern selbst Filmgeschichte schreiben.Sechs Nachwuchsregisseure, ausgeguckt unter Absolventen und höheren Semestern deutscher Filmhochschulen, bekamen für je einen Drehtag ein Set hingestellt, um einen Kurzfilm zu drehen.In jedem Filmchen sollte die A-Klasse mitspielen, als Fingerübung und Türöffner zu künftigen Großprojekten.Detlev Buck machte dabei den "Vorzeigeonkel", wie er auf dem Set am Olympiastadion geulkt hatte.Immerhin kommt ihm nun der Ruhm zu, den ersten Berlinale-Beitrag für den Potsdamer Platz gedreht zu haben.Anschließend, nachdem Festivalchef Moritz de Hadeln verraten hat, er selbst fahre Saab, durfte gefeiert werden.Das war angesichts des Gedränges nicht ganz einfach, auch das Promi-Picking bereitete Probleme.Buck zum Glück ist groß geraten und war kaum zu übersehen.Jürgen Vogel? Schon schwieriger, wohlweislich hatte er sich einige Stufen über der Masse postiert.Auch Michaela Merten war wieder da, Atze Brauner, Vadim Glowna sowieso, Wolfgang Stumpf nebst Töchterlein, winfried Glatzeder, Hardy Krüger jr., das ganze garniert mit Landowsky, Branoner, Krüger.Auch am Büfett erhebliches Geschiebe.Glücklich, wer Zutritt zum VIP-Sektor hatte.Dort sah es nicht viel anders aus als vor der Absperrung, aber man hatte mehr Platz.So wurde das Promi-Reservoir zur Chill-Out-Zone.

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